Kategorie: Land & Leute

Voll-Gas

Voll-Gas

Das Thema „Gas“ hat uns schon eine lange Zeit beschäftigt – eigentlich schon vor der Abreise. Wir haben ein Bord einen wunderschönen Gaskasten, wo eine von diesen grauen 5 kg Flaschen reinpasst. Mit solch einer Füllung kommen wir in der Regel, auch mit täglichem Kochen, gut aus. Nun denkt sicherlich der eine oder andere: „Wieso Kochen??? Christine ist und isst doch vegan, da gibt es doch eh nur Gras und Steine!?“ Weit gefehlt! Anfangs war ich da auch eher skeptisch, was da so alles in die Töpfe und Pfannen wanderte. Es schmeckt mir aber und ich habe nicht das Gefühl, dass ich auf irgendetwas verzichten muss. Wenn mir der Sinn danach steht, dann haut die Seeräuberin mir auch ein Steak oder Würstchen in die Pfanne.

Was ich aber eigentlich sagen bzw. schreiben wollte ist, dass der Herd nebst Backofen viel genutzt wird und Gas bei uns täglich in Flammen aufgeht. Eine Füllung reichte in der heimischen Ostsee fast eine Saison. Unser Schiffchen sollte uns ja nun in ferne Länder und unbekannte Gewässer bringen und gegessen wird bekanntlich überall oder anders formuliert: Ohne Mampf kein Kampf! Deswegen haben wir unsere „Second Life“ mit zwei großen Gasflaschen bestückt. Das Feuer sollte (wie auch bei der Seeräuberin und mir) nie erlöschen und so muss man(n) immer schön aufpassen und Vorsorge treffen, damit die Flamme nicht plötzlich verpufft. Ein Manometer ist nicht überall ein probates Mittel oder gar zu montieren, aber zurück zum Thema…

In Deutschland haben wir uns also ausführlich mit dem Thema „Gas“ und den Auffüllmöglichkeiten beschäftigt. Nach einigen Recherchen haben wir uns ein „Euro“- Adapterset und ein weiteres Set zum Befüllen der Gasflaschen gekauft. Mit diesem Potpourri an goldglänzenden Verbindern fühlten wir uns gut gerüstet. Waren es aber nicht! Die ersten Etappen durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und anfangs auch noch in Nordspanien waren wir gastechnisch sehr entspannt, schien unser Vorrat doch noch groß genug.

Irgendwann hat jedoch die erste Buddel ihren letzten, brennbaren Atem ausgehaucht. Kein Problem, wir hatten ja noch die zweite Flasche dabei. Von nun an führte aber jeder Landgang unter anderem auch zu ortsansässigen Schiffausrüstern und „Gasmenschen“ – kann ja nicht schaden, wenn wir unsere leere Knolle wieder aufladen würden. Die Hände und Füße waren hauptsächlich die Artikulationsgrundlage für unsere Gespräche mit den Fachleuten. Das gesprochene, englische Wort ist bei den Locals in Nordspanien nicht so verbreitet. Losgelöst von den sprachlichen Barrieren, die nicht Grund unseres Misserfolgs waren, blieb die Buddel aber leer. Des Öfteren wandte sich die Unterhaltung weg vom Gas hin zum Fußball. Klar, meine Schuld! Wenn da ein Deutscher steht und irgendetwas faselt von „gekocht wie Flasche leer“ wo soll das sonst auch hinführen?!

Grundsätzlich ist es in Spanien und auch in Portugal seit einigen Jahren nicht mehr erlaubt, ausländische Flaschen zu befüllen. Dieses Verbot könnte mehrere Gründe haben – wahrscheinlich ist jedoch, dass die Feuerwehren es leid waren, pulverisierte Hinterhöfe zu löschen. Genau wissen wir es aber nicht. Alternativ hätten wir uns auch sehr gern eine Flasche von „Repsol“ besorgt. Die sind aus Kunststoff und rosten, wenn überhaupt, sehr langsam. Die Flaschen waren aber leider zu groß, um in unserem Gaskasten unterzukommen. Eine kostenintensive Behelfslösung stellte die Anschaffung einer „CampingGaz“-Flasche dar. Rund EUR 40,00 kostet da ein 2,5 kcg Fläschchen. Auch der Tausch schlägt mit ca. EUR 20,00 in die Bordkasse ein. Unsere „neue“ Buddel war zudem schon total verrostet und siffig. Zur Probe und eigentlich total überflüssig, waren wir doch mit allen Adaptern ausgestattet, wollte ich den „CampinGaz“- Schrotthaufen mal anschließen. Blöderweise passte nicht ein Adapter aus unserem Arsenal. Die Hersteller des „EURO- Adaptersets“ haben nicht damit gerechnet, dass es Leute gibt, die mit einem deutschen Gasanschluss ins Ausland fahren?! Ebenso haben sich die Portugiesen und Spanier nicht vorstellen können, dass man überhaupt ohne einen Anschluss für „CampingGaz“ unterwegs sein kann. However, ich habe mich zumindest doll geärgert!

Der Ärger verzog sich schnell, aber nur um schierer Verzweiflung zu weichen. Nirgendwo gab es einen passenden Adapter zu kaufen. Diverse, tränenreiche Telefonate mit Gasprofis aus dem Ruhrpott führten dann doch noch zur finalen Lösung. In Deutschland konnten wir das ersehnte Teil bestellen und – ich wollte es nicht wahrhaben – es passte! Die Schläuche füllten sich und ein orange-bläulicher Schein erhellte die Kochstelle. Noch nie habe ich einen, in Betrieb befindlichen, Gasherd mit so viel Andacht angeschaut.

Das „blaue Gold“ sollte jedoch nicht unser primärer Gasantrieb werden, sondern eher als Notlösung dienen. Die Befüllung der „großen Grauen“ blieb eine weitere Herausforderung, die zu bewältigen war. So etwas ähnliches wie ein Wunder erwartete uns dann in La Linea. Ein Flyer, der die Befüllung sämtlicher, ausländischer Gasflaschen versprach! Wir konnten unser Glück kaum fassen. Die Befüllungen könnten in Estepona oder Marbella vorgenommen werden, lasen wir da. Kurzentschlossen sind wir das kurze Stück (ca. 25 sm) nach Estepona getuckert. Aufgeregt wählte ich die spanische Nummer und führte ein kurzes Telefonat mit dem Inhaber der Firma. Er sei etwas unpässlich, müsse kurz ins Krankenhaus und würde das Gas deswegen momentan nur in Marbella in die Buddel drücken können. Auch nicht so schlimm, Estepona ist ein nettes Städtchen mit schöner Altstadt, so dass wir den Stopp dort nicht im Geringsten bereuten. Am nächsten Morgen richteten wir den Bug dann nach Marbella und nach 15 sm fanden wir uns in dem Ort der „Schönen und Reichen“ wieder. Die „Schönen“ sind wohl mittlerweile sehr alt geworden und die „Reichen“ gab es hier wohl nur zu Pesos-Zeiten?! Was wir aber nicht vermutet hatten: Auch Marbella verfügt über eine „kuschelige“ (ich kann ja nicht immer „nette“ schreiben) Altstadt und etwas abseits auch über tolle Strände. Wir haben nicht direkt in der Marina Marbella festgemacht, sondern 0,5 sm weiter im Hafen „La Bajadilla“. Es erwarteten uns total hilfsbereite Hafenangestellte und freundliche Bootsnachbarn. Der Hafen bietet saubere, zweckmäßige Duschen mit beachtlichem Arbeitsdruck. Wen der Lauf des Lebens mit etwas schütterem Haar gezeichnet hat, der sollte aufpassen, dass die Regulierung der Wassermenge nicht auf Maximum steht – wenn erstmal die 50 bar anstehen, dann ist es bestimmt auch mit dem Rest der Haarpracht vorbei…

Frisch geduscht und voller Vorfreude erwarteten wir also die Ankunft des Gasmannes. Der kam dann auch, wie versprochen, am Nachmittag. Auch hatte er gleich zwei baugleiche, volle Flaschen unseres Systems dabei. Der Preis belief sich auf stolze  EUR 60,00 für zwei Füllungen. Puh! Aber wer seine Buddel voll haben will, der bezahlt den geforderten Betrag, denn in Sachen „Refill“ hat der, aus den Niederlanden stammende, Kollege hier das Monopol. Ein kleines Problem gab es dann aber doch noch. Wir haben bei dem Erwerb unserer Gasflaschen darauf geachtet, dass ein TÜV-Stempel die Flasche ziert, deren Ablaufdatum in weiter Ferne liegt. In unserem Fall 2024 und 2026. Die grauen Buddeln, die der Gasmann aus dem Kofferraum seines SUVs zog, waren da etwas anderer Natur. Eine Flasche hatte zwar einen Haltbarkeitsvermerk, die andere aber war gräulich übergepinselt, wies so überhaupt kein Zeichen von Stempel oder geprüfter Sicherheit auf und war noch dazu schon ziemlich rostig (deswegen wohl auch die Farbe). Nach kurzer Diskussion wollten die Seeräuberin und ich doch unsere Flaschen gern weiterverwenden, nur gefüllt halt. Mit diesem Wunsch weckten wir doch einiges an Unverständnis! Die Befüllung und Lieferung unserer eigenen Flaschen sollte dann weitere EUR 20,00 kosten. Wir schluckten kurz (unseren Ärger herunter), aber akzeptierten – was hatten wir schon für eine Wahl!? Am späteren Abend knatterte ein Moped auf das Hafengelände, unsere nun gefüllten Buddeln im Gepäck. Nachdem ich mir dann noch anhören musste, dass wir ziemlich „ridiculous“ seien, ihm so ein Kundenverhalten noch nie untergekommen sei und dass es wohl etwas mit „German Pünktlichkeit“ zu tun hätte, schloss ich die gute, alte Flasche an und alles war wieder gut.

Es mag ja sein, dass wir etwas zu pingelig sind, aber Gas und Feuer sind zwei Dinge, die unter Umständen gefährlich werden könnten. Eine geprüfte Flasche mit TÜV halten wir grundsätzlich für eine gute Idee – für unsere Sicherheit, aber auch für diejenigen, die unsere Flaschen zukünftig befüllen werden. Weltbereistere Segler haben bestimmt noch haarsträubendere Geschichten zum Thema Gasbefüllung zu berichten. Für die weiter entfernten Ziele würde sicherlich das Adapterset zu empfehlen sein, welches wir bereits an Bord haben. Das Set beinhaltet verschiedene Aufsätze, um die Flasche befüllen zu lassen. Betonung liegt hier eindeutig auf „befüllen lassen“! Im Internet gibt es auch Tipps für das eigenständige Füllen der Flaschen – so groß wird unser Verlangen nach einem funktionierenden Gasherd jedoch wohl nie werden. Das Hantieren mit Propan, Butan & Co überlassen wir doch lieber den Profis.

Wer in seinem Schiff bereits eine Anlage auf der Basis „CampingGaz“ betreibt, der wird so schnell keine Probleme mit Nachschub bekommen. Das „CampingGaz“- System ist, zumindest in Europa, weit verbreitet und Austauschflaschen so gut wie überaall zu bekommen. Die Kosten dafürsind  jedoch relativ hoch. Wer noch so gar keine Idee zum Thema Kochen an Bord hat, kann auch weitere Alternativen prüfen. Petroleum, Diesel oder Spirituskocher gibt es ebenfalls auf dem Markt. Nutzbares Petroleum wird hinsichtlich des Nachschubs früher oder später jedoch auch ein Problem werden. Ein Segler, den wir in Culatra getroffen haben, versorgt sich immer mit 5 Liter Kanistern aus Deutschland, sofern sich Besuch auf dem Landweg ankündigt, weil es in Portugal kein brauchbares gibt.

So oder so – es bleibt ein brennendes Thema! Jetzt aber erst mal: Buddel voll – Schnauze voll!

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Vier Wochen am Affenfelsen

Vier Wochen am Affenfelsen

Gestern wollten wir endlich wieder in See stechen. Der Wecker klingelte um 07 Uhr, aber ein Blick aus dem Niedergang verhieß nichts Gutes: dicker Nebel waberte durch den Hafen. So dick, dass die Schiffe am Nachbarsteg kaum zu erkennen waren. Also erst mal Kaffeekochen und abwarten. Nucha war nach unserer Morgenrunde ganz nass und strubbelig, nur von der Luftfeuchtigkeit!? Natürlich hätten wir uns – dank AIS und Radargerät – auch so durch die vielen Tanker und Frachter durch die Bucht von Gibraltar schlängeln können, aber Spaß ist etwas anderes und zeitliche Not haben wir ja nun wirklich nicht. Unsere Abfahrt verzögerte sich also noch um ca. 2 Stunden, in denen wir uns noch ausführlich von unseren Stegnachbarn verabschieden konnten. Und dann war die Sicht auch gut genug, um langsam aus dem Hafen zu tuckern. Was war das für ein schönes Gefühl, wieder in See zu stechen!

La Linea ist ein wirklich gepflegter und günstiger Hafen mit guten Versorgungsmöglichkeiten und sehr ordentlichen sanitären Anlagen. Auch dass man innerhalb weniger Minuten zu Fuß nach Gibraltar laufen kann, hat durchaus seinen Reiz. Aber wenn die Kinder uns nicht in ihren Ferien dort besucht hätten, wären wir sicherlich nicht so lange geblieben. In weniger als einer Woche hat man eigentlich alles gesehen, was es dort und auf dem Affenfelsen so zu besichtigen gibt und La Linea selbst fanden wir nicht besonders schön. Eher etwas schmuddelig und ungepflegt. Gibraltar ist ein witziges Fleckchen Großbritannien – allein der Besuch im Supermarkt mit typisch britischen Produkten wie Cheddar, Shortbread und Baked Beans hat Spaß gemacht und brachte etwas Abwechslung in die Bordküche. Aber der Verkehr dort ist Wahnsinn! Wir haben gelesen, dass auf die 55.000 Einwohner ca. 53.000 PKWs kommen, plus zahlreiche Motorroller und Motorräder. Die machen teils ohrenbetörenden Lärm und reichlich „Mief“. Noch dazu wirkt es so, als ob halb Gibraltar eine Baustelle ist. Wenn dann noch 1-2 Kreuzfahrtschiffe anlegen, ist das Chaos perfekt. Spätestens dann bekommen Peer und ich Fluchtgedanken, hassen wir doch beide größere Menschenansammlungen.

Trotzdem bot gerade Gibraltar einiges, was wir mit den Kindern in ihren Ferien unternehmen konnten und da das Wetter anfangs eher herbstlich anmutete, waren wir darüber sehr froh. Peer ist mit ihnen im Schweiße seines Angesichts auf den Rock gewandert – unter Anfeuerungsrufen á la „Komm Papa, Du schaffst das!“. Belohnt wurden die Drei mit der Sichtung zahlreicher Affen, die oben schon die Touristen erwarteten. Wehe dem, der dort mit einer Plastiktüte auftauchte – diese oder der andere lose getragene Gegenstände werden von den frechen Viechern gleich konfisziert. Widerstand zwecklos! Der Blick auf die nahe afrikanische Küste war an diesem Tag leider von der typischen Wolke versperrt, die so gut wie immer um den Rock herum waberte. Das gehört sicher so, sonst würden sich die Briten dort nicht wirklich heimisch fühlen 😉 Marokko haben wir dann aber noch bei einem anderen Ausflug zum Europa Point sehen können.

Ein Highlight war sicherlich ein Ausflug nach Tarifa! Bei herrlichem Sonnenschein konnten die Zwillinge hier noch einmal den langen Sandstrand genießen – Baden und durch die Wellen hüpfen inklusive. Das Eis danach beim Bummel durch die nette Altstadt hat dann gleich doppelt gut geschmeckt. Nucha dufte im Bus leider nicht mitfahren, deswegen haben wir uns einen netten Mädelstag an Bord gemacht.

Apropos Nucha – müssen wir erwähnen, dass sie natürlich das Highlight der Ferien war??? Am ersten Tag waren ihr die Mädels noch etwas unheimlich, aber danach wurde gekuschelt, was das Zeug hält und egal wo Emma und Pia waren, Nucha war immer mitten drin. Nun müssen wir damit leben, dass uns nach der Rückkehr der Beiden in Hamburg WhatsApp-Nachrichten erreichen, die da lauten: „Wir vermissen Euch schon, besonders NUCHA“…

Damit uns nach der Abreise der Kinder nicht langweilig wird, hat uns unser haariges Crewmitglied dann noch ein paar blinde und äußerst unwillkommene Passagiere an Bord gebracht: Eines Abends entdeckte ich beim Kraulen einen kleinen Flohzirkus, der lustig durch ihr Fell hüpfte. Na super!!! Aber nach diversen Waschladungen, endlosen Putzaktionen und Besuchen beim Tierarzt und der Zoohandlung sind wir die Plagegeister nun auch wieder los. Ab sofort muss sich Nucha nach jedem Spaziergang eine Inspektion mit dem Flohkamm gefallen lassen. Zusätzlich gibt es einmal im Monat eine Tablette, denn gegen den Wirkstoff im Flohhalsband scheinen die Biester schon gewisse Resistenzen gebildet zu haben. Nun aber genug von dem Thema, es fängt sonst gleich wieder an zu jucken 🙂

Aktuell liegen wir nach unglaublichen 24 Seemeilen in Estepona an der Costa del Sol, die ihrem Namen alle Ehre macht. Es ist viel sonniger und wärmer hier und vor allem ist die Luft endlich nicht mehr so feucht! Herrlich! Die Wahl fiel auf diesen Hafen, weil es hier eine Möglichkeit gibt, unsere beiden deutschen Gasflaschen befüllen zu lassen. Das war bisher in Spanien und Portugal ein Ding der Unmöglichkeit und zum Glück auch noch nicht nötig. Seit unserer Abfahrt Ende Mai sind wir damit ausgekommen und pünktlich vorgestern Abend war dann auch die zweite Buddel leer. Nicht schlimm, denn wir haben noch eine Ersatzflasche Campinggas dabei und für Nachschub ist ab Morgen auch gesorgt.

Wenn der Gasmann schnell ist, werden wir bereits morgen weiterfahren – dann direkt in unseren Winterhafen Almerimar, denn die Häfen dazwischen reizen uns nicht wirklich. Dort werden wir wohl einige Segler, die wir unterwegs getroffen haben, wiedersehen und etwas Arbeit am Schiff wartet auch auf uns.

Wir hoffen, der Sturm im Norden Deutschlands hat keine zu allzu großen Schäden angerichtet und senden Euch ganz viel Sonne aus Spanien!

 

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Die alten Männer und das Meer

Die alten Männer und das Meer

Ursprünglich wollte ich diesem Thema noch einen Zusatz beifügen: „Die alten Männer und das Meer- oder wenn die Pinne zum Krückstock wird“. Aufgrund des eigenen, fortgeschrittenen Alters habe ich dann doch lieber auf eine Erweiterung in der Headline verzichtet… Meine Beobachtungen der letzten Monate, sind aber – wie ich finde – durchaus einen kurzen Artikel im Blog wert.

Was mir in den Häfen und bei Landgängen ab Nordspanien über Portugal bis Südspanien aufgefallen ist, betrifft die älteren Bewohner dieser Landstriche. Im Gegensatz zu Deutschland ist auffällig, dass sich viele Rentner deutlich mehr Mühe in Sachen Mode und äußeres Erscheinungsbild geben. Auch wenn die finanziellen Mittel mit Sicherheit sehr beschränkt sind, so trägt der Mann gern Anzugshosen mit Hemd und festes, gepflegtes Schuhwerk. Ohne gründliche Rasur inklusive duftendem Aftershave wird hier nicht aus dem Haus gegangen auch nicht, wenn es nur kurz zum Supermarkt gehen soll. Da kommt man sich in den Flip Flops, kurzen Hosen und T-Shirts mit Resten des Frühstücks drauf schon etwas schäppig vor und bringt nur ein devotes „buenas dias“ hervor. Die physische Konstitution vieler Einheimischer regt einen ebenfalls zum Nachdenken an. Wenn man an der Promenade umherschlendert und von mehreren Damen und Herren 60+ im Sportdress und rennenderweise überholt wird, drängt sich die Frage auf: „Warum habe ich eigentlich meine Sportschuhe mit? Und wo sind die überhaupt??“ Klar- auch in Spanien oder Portugal ist der Fitnesstrend nicht allgegenwärtig, aber auffällig ist es schon. In der Vorderreihe, der Flaniermeile von Travemünde, ist mir der sportive Ansatz der „Oldies“ zumindest nicht ins Auge gesprungen. Verschiedene Gemeinden haben auch bei uns in Deutschland an strategisch günstigen Plätzen festinstallierte Fitnessgeräte aufgestellt, aber noch nie habe ich dort (bis auf einige Kinder) jemanden gesehen, der ein ernsthaftes Workout betrieben hätte. Hier in La Linea muss man fast Schlange stehen, um an eines der simplen Geräte zu kommen. Die ernsthaften Mienen und teilweise auch verbitterten Gesichtsausdrücke, wie ich sie von zu Hause in Erinnerung habe, sind hier kaum zu entdecken. Es drängt sich quasi der Gedanke auf, dass viel frische Luft, Bewegung und gutes (hier fischreiches) Essen dem allgemeinen Wohlbefinden enorm zuträglich ist und die Laune nachhaltig verbessert. Sollte ich im (noch höherem) Alter nach Deutschland zurückkehren, möchte ich mich an meine Zeit im Süden erinnern, den inneren Schweinehund überwinden und viel aktive Zeit draußen verbringen!

Zugegebenermaßen haben die oben beschriebenen Beobachtungen allenfalls mit der ersten Hälfte der Überschrift zu tun. Da dies aber ein „Segelblog“ ist, kommt hier nun auch der maritime Bezug. Unglaublich viele Segelyachten sind mit lediglich einer Person bemannt – und zwar beMANNt im wortwörtlichen Sinne, denn zu 99,9% sind es Männer, ältere Männer, die allein unterwegs sind. Warum ist dies so? Mit einigen Ein(falten)Hand-Seglern habe ich gesprochen. Verschiedene von ihnen waren, zumindest auf dem Papier, nicht allein. Die Frau würde später nachkommen, die Frau hat keine Lust auf längere Schläge, die Frau ist ebenfalls allein zum Wandern unterwegs – solche Aussagen halt. Warum ist das so? Fakt ist, dass die Fahrtensegler von heute im Allgemeinen bereits im Ruhestand sind. Wir haben nur ganz wenige Segler getroffen, die in unserem Alter oder jünger waren. Was hält den Nachwuchs von den Meeren dieser Welt fern? Auch hier habe ich mit einigen, daheimgebliebenen gesprochen. In erster Linie wird der Job und die Karriere als Hinderungsgrund ins Feld geführt. Weitere Punkte sind, die finanzierte Wohnung oder Haus welches abgezahlt werden muss, die Familie, die geplanten Kinder, etc. Alles Gründe, die ich sehr gut nachvollziehen kann und zu dessen Lösung ich kein Patenrezept habe. Jeder muss sein Leben so gestalten, wie er denkt. Was sich jeder jedoch immer wieder selbst fragen sollte ist: macht mich mein Leben glücklich? Sind diese Gründe, eine längere Segelreise lieber in die Schublade „Träume“ zu verbannen, eventuell Schuld daran, warum jetzt so viele allein unterwegs sind? Nach dem Motto, wenn ich erstmal in Rente bin, dann mache ich das! Jetzt kommt aber der Hammer: Viele von den alten Seebären, die ihre Freiheit und Ungebundenheit in vollen Zügen genießen könnten, haben dieselbe verbitterte Miene aufgesetzt, die ich bereits oben beschrieben habe und von zu Hause her kannte. Vielleicht ist die Einsamkeit auf dem Meer gar nicht so erstrebenswert, wie es manchmal scheint oder einem selber ab und wann durch den Kopf geht. Eventuell hat die Wissenschaft ja doch recht, wenn sie behauptet, dass der Mensch ein Herdentier ist. Macht es dann unter Umständen Sinn, dass wir unsere Frauen oder Lebenspartner schon heute mehr an dem Glück des Segelns teilhaben lassen? Planen, Navigieren, Revierführer wälzen – all das kann auch zusammen viel Freude machen. Der darauffolgende Törn wird dann bestimmt für alle Beteiligten ein erfüllter Traum und damit meine ich nicht ausschließlich den Schlag über einen Ozean, sondern ebenso die Urlaubsreise in die dänische Südsee.

Mal ehrlich – geteilte Freude ist doch die größere Freude, oder?! Wenn ich mir es wünschen darf, möchte ich später nicht allein aus der Boxengasse fahren, einem alten Elefantenbullen gleich der einsam seine letzte Reise antritt.

Fazit: Macht euch mal hübsch, nicht aus Gründen der materiellen Zurschaustellung, sondern aus Respekt eurem Partner gegenüber und nutzt den Winter und plant zusammen!

 

By the way: jetzt habe ich so viel über ältere Menschen geschrieben, da fällt mir spontan „Corega Tabs“ ein (bereits Betroffene sehen mir dies bitte nach…). Wir wollten zu gegebener Zeit mal eine Sammlung aus unserer Sicht und Erfahrung nach nützlichen „Tipps & Tricks“ zusammenschreiben.

Hier schon mal ein Vorgeschmack: Viele von euch haben einen Seewasservorfilter zur groben Reinigung des Kühlwassers installiert (und diejenigen, die noch keinen haben, sollten im Winter dringend mal einen nachrüsten). Auch, wenn man das, Plastiksieb leert, bleiben unschöne, organische Reste in dem feinen Sieb hängen. Auch der Kunststoffkörper, in dem der Vorfiltereinsatz steckt, ist mit einem undefinierbaren Schleim bedeckt. Schmeißt einfach über Nacht 1 bis 2 Corega Tabs (oder ähnliche Hersteller) in den Seewasserfilter und dreht den Deckel wieder zu. Die Seewasserventile sollten geöffnet bleiben, da sich durch das Aufschäumen ein gewisser Druck aufbaut. Am nächsten Morgen sollte dann alles wieder „Perlweiß“ sein – würde die Zahnarztfrau sagen. Dieses Verfahren ist weder von der EU geprüft oder von Herstellern mit Garantiesiegeln versehen. Bei uns klappt das aber gut! Denkt bitte daran, dass Ihr das erste Seewasser nach dem Anlassen der Maschine mit einem Eimer auffangt fachgerecht entsorgt.

 

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