Kategorie: Leben mit Depressionen

Wald

Wald

Moin!

Wie auf „Facebook“ bereits angekündigt, geht mir derzeit vieles durch den Kopf, was nicht unmittelbar mit dem Segelsport in Verbindung zu bringen ist. Da ich aber selbst betroffen bin und nichts verdrängen möchte, habe ich meine Gedanken dazu aufgeschrieben. Meiner Ansicht nach, ist die Auseinandersetzung mit dem Thema (zumindest für mich) eine Möglichkeit, die persönliche Situation nicht aus den Augen zu verlieren… Gerade jetzt und hier- ich bin allein, eine Weihnachtsfeier löst die nächste in den zahlreichen Lokalen ab, die Leute sind in Urlaubs- und Feierstimmung. Bitte nicht verkehrt verstehen oder meine Zeilen als Mahnung oder Verteufelung deuten. Es ist gut (und manchmal auch erheiternd) zu sehen, wenn die Menschen hier Spaß haben und feiern. Nur manchmal, wenn ich mit Nucha abends gegen 22:30 noch eine letzte Runde drehe und an den beleuchteten Kneipen vorbeigehe, komme ich mir etwas „aussätzig“ vor… Klar- könnte ich auch so mit den Leuten im Lokal sitzen und statt Wein halt Wasser trinken, aber diesem – sehr wohl bekannten – Räumen möchte ich mich lieber noch etwas fernhalten. Irgendwann wird es sicherlich leichter…

Noch eine kurze Anmerkung zum Text- ich schreibe, wie es mir in den Kopf kommt. Sehr wahrscheinlich gibt es in vielen Abschnitten grammatikalische Fehler- dies bitte ich zu entschuldigen. Wenn ich mir nach dem Schreiben den Text hinsichtlich Rechtsschreibfehlern oder Zeichensetzung durchlese- würde ich wahrscheinlich auch inhaltlich einiges ändern und das möchte ich bewusst nicht. Mir ist es wichtig, dass ich meine Gedanken aufschreibe und keinen fehlerfreien Roman verfasse…

Wald

Seitdem ich denken kann, war dort wo ich gewohnt habe auch immer ein Wald in der Nähe. Als kleines Kind durfte ich nie in diesen Wald und anfangs war ich auch nicht sonderlich daran interessiert. Meine Eltern gingen damals oft mit Nachbarn oder Bekannten in den Wald. Gelangweilt schaute ich Ihnen hinterher, wusste ich doch genau, was gleich zu erwarten war. Lautes Gelächter drang bis zu meinem Zimmer und irgendwann schlief ich darüber ein… Der Wald musste ja wirklich witzig sein, wenn die Erwachsenen dort immer ausgelassen waren und offensichtlich viel Spaß hatten.

Eines Tages jedoch hörte ich neben dem fröhlichen Rufen aber auch lautes Gerede- ja fast ein gegenseitiges Beschimpfen. Damit konnte ich nun nichts anfangen und dachte mir, dass ich mich bestimmt verhört hätte. Meine Eltern gingen auch manchmal allein in das nicht weitentfernte Waldstück. Wenn sie allein dort waren, konnte ich nun aber doch deutlich „schimpfen“ vernehmen. Auch hatte ich das Gefühl, dass die Grenze des Waldes näher an unser Grundstück zu rücken schien. Zu meiner frühsten Kindheit musste noch ein längeres Stück Weg zum Wald gegangen werden und diesen Marsch absolvierten meine Eltern meist nur am Wochenende. Mit zunehmenden Lebensjahren und in der „Jugend“ befindlich, reichte der Waldrand bereits bis zu unserem Garten. Vater ging nun beinahe täglich die wenigen Schritte und blieb auch über längere Zeit irgendwo allein im Dickicht.

Das Heranwachsen bedeutet wohl auch, viele Dinge auszuprobieren und so gingen meine damaligen Freunde und ich auch in einen Wald- natürlich nicht der am elterlichem Haus. Wir hatten damals viel Spaß und vergnügten uns am Wochenende meist in der Nähe einer Lichtung. Diejenigen, die sich, im Laufe der Abende, ins Unterholz verloren hatten, denen ging es nächsten Tags nicht sonderlich gut. So verliefen die Jahre- wenn man etwas zu feiern hatte, dann ging man in den Wald. Die meiste Zeit hielt man sich jedoch im Bereich einer freien, nicht zu dicht bewachsenden Fläche auf, um auch mit den anderen zu sprechen und gemeinsam Spaß zu haben. Nicht allzu oft habe ich mich zu der Zeit in unwegsamen Pfaden verloren. Die wenigen Male hatte ich aber ein innerliches Gefühl der Ruhe. Die Stimmen und die Musik drangen nicht in voller Lautstärke durch die verdichteten Äste und Zweige.

Aus irgendwelchen Gründen, gab es an den Wochenenden immer etwas zu feiern und die damit verbundenen Aufenthalte im Wald wurden zwar länger – immer gab es aber einen Weg hinaus. Die Wälder hatten einen festen Platz in unserer Gesellschaft- wer in den Wald ging wurde nicht schräg angeschaut oder auf die vielen Spaziergänge angesprochen. Es war (und ist wohl noch) normal und gehörte zum Leben dazu.

Später, im Berufsleben, gehörten gemeinsame Waldtouren einfach dazu. Klar, dass diese nicht an den freien Tagen der Woche stattfanden, sondern in der Woche. Die Wochenenden ging ich aber zusätzlich auf die Suche nach Traumwäldern. Damalige Bekannte gingen, nach meiner Ansicht, viel zu früh nach Haus. Dann begab ich mich auf einsame Entdeckungsreise. Meine Wege führten mich tiefer und länger in das Dickicht. Es war herrlich ruhig- die Flechten an den Stämmen der Bäume und das Moos auf den Boden schluckten nahezu alle Geräusche der Außenwelt. Es war ein Gefühl, als wenn man in einer Wolke aus Watte gebettet wurde. Hier war es gut, hier war ich für mich, genau hier wollte ich sein!

Die Arbeit war oft kräftezehrend und demotivierend – zumal ich zu wenig Schlaf bekommen hatte, war ich doch mittlerweile auch unter der Woche in den Wäldern. Vielen Kollegen ging es ähnlich. Das Interesse an gemeinschaftlichen Aktivitäten schrumpfte mehr und mehr. Mich zog es allein an meine Stelle- meinen Platz der Ruhe, da konnten mir die Sorgen des Tages nichts anhaben und teilweise konnte ich auch über Dinge nachdenken, die sonst bestimmt viel zu kurz gekommen wären. Hätte mich nicht immer einer gestört oder mich überreden wollen, aus dem Wald zu kommen, dann hätte ich mich bestimmt auch an meine Gedanken erinnern können. Einige, die ich in den verwinkelten und dornigen Ecken der Wälder getroffen hatte erzählten mir, dass sie schon eine Ewigkeit hier verbrachten. Ein Leben ohne Zwänge, ohne nervende Gedanken und ohne andere Menschen, die sie überreden wollten aufzustehen. Das war aber kein Leben für mich- die leben hier und arbeiten nicht wie ich! Ich brauchte meine Ausgänge zum Entspannen und war der Meinung, dass ich jederzeit und ohne Probleme längere Zeit auf die Wälder verzichten konnte. Das war aber leider nicht die Wahrheit und insgeheim war ich mir dessen auch bewusst. Als die Kinder mich eines Tages fragten, warum ich immer in den Wald gehe und ob ich das nicht einmal verschieben oder aussetzten könnte sie wollen doch noch mit mir spielen- da traf mich ein innerlicher Pfeil und schmerzte sehr. Was würde wohl am besten gegen Schmerz helfen? Richtig ein langer und ausgedehnter Spaziergang war so wunderbar einfach und leicht. Gedanken und Gewissen verschmolzen mit der Umgebung und ich musste die Schmerzen nicht allein durchstehen. Der Rückweg wurde immer mühsamer und ohne Umwege gelang ich nicht nach Hause. Der Wald ist einsam- der Wald macht einsam!

Eines Tages, nach einem Irrlauf, gelangte ich an den Waldrand. Die Sonne strahlte und wärmte mich. Wie lange hatte ich keine Sonne mehr gesehen? Die dicken Äste und Blätter haben das Licht absorbiert und nur leichtes Dämmern gelangte bis auf meinen Lagerplatz. Da draußen war es aber laut und das helle Licht blendete mich. Reflexartig wollte ich in die Kühle und Ruhe zurück. Auf der Wiese vor dem Wald konnte ich Schatten sehen, Schatten, die sich auf mich zu bewegten. Zwei Kleine und ein größerer Schatten. Näher, und im ersten Augenblick, unangenehm nah. Aufgerichtet habe ich mich allein, die nun doch vertrauten Schatten, stützten und hielten mich jedoch aufrecht.

Längere Zeit verbrachte ich in einem Haus ohne Wald. Die Geräusche und Menschen waren für mich sehr erdrückend und irritierend. Aus Geräuschen wurden Worte und aus den vielen Menschen geduldige Zuhörer. Meine Eltern sind nicht rechtzeitig herausgekommen und zuhören können sie mir leider nicht mehr- ich hätte viel zu sagen gehabt…

Heute gehe ich nicht mehr in den Wald. Zu groß wäre die Gefahr, dass ich mich verirre. Manchmal kommt es noch zu Feiern oder sonstigen Anlässen, die Leute in den Wald gehen lassen. Bei diesen Anlässen stehe ich am Waldrand und kann mich mit den Menschen immer noch hervorragend unterhalten. Es bleiben so einige am Rande der Bäume stehen und gehen nicht hinein. Das macht Mut- ich bin nicht allein! Die Verlockung und die Erinnerung an die absolute Ruhe ruht in einem Teil meines Kopfes- leider nicht der Teil, der abgeschlossen werden kann. Die freie Sicht über die weite Landschaft lässt mich draußen bleiben- ich hoffe für immer!

 

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Gedanken einer Nachtwache

Gedanken einer Nachtwache

Moin,

seit unserem letzten Blogeintrag sind bereits einige Tage vergangen. Wir waren jedoch nicht untätig! Schiff aufräumen, Arbeitslisten erstellen und was sonst alles dazu gehört. Die „to do- Liste“ umfasst derzeit 34 Punkte. Womit wir uns hier den Winter „versüßen“, stelle ich aber in einem anderen Beitrag vor. Vom Segeln haben wir leider nichts zu berichten, da bleiben nur die Erinnerungen und Gedanken aus den vergangenen Wochen. Zum Thema „Gedanken“ habe ich mir während einer Nachtwache viele Gedanken gemacht. Der folgende Artikel ist gerade im aktuellem Heft vom „Trans Ocean e.V.“ erschienen. (es sind aber sicherlich nicht alle Leser unseres Blogs im „Trans Ocean“) Danke fürs Lesen…

 

Rüm Hart – Klar Kimming

 

Der Spruch: „Rüm Hart – Klar Kimming“ kommt aus dem Friesischen und bedeutet so viel wie „weites Herz – klarer Horizont“. Die alten Kapitäne der friesischen Küste, wählten diese Formulierung, um ihre „Weltläufigkeit“ zu unterstreichen. Synonyme für „weltläufig“ wären beispielsweise: weltmännisch, erfahren, klug, gewandt und routiniert. Welcher kleine, ambitionierte Freizeitkapitän strebt nicht danach diese Eigenschaften zu erlangen?  Ein hochgestecktes Ziel ist es allemal…

Eine schöne und verlockende Vorstellung- ich stehe am Ruder meines Bootes, der Wind treibt es beständig nach vorn, leicht und elegant schneidet der Bug durch die Wellen, der Himmel ist klar, vereinzelt ziehen weiße Wolken vorüber, die Sonne scheint auf mein wettergegerbtes Gesicht, mit klaren und wachen Augen schaue ich nach vorn, sicher im Stand, komme was da wolle, mein Herz ist offen für alle Dinge, die mich in der Ferne erwarten…

Ein Wunsch? Ein Traum? Sicherlich aber nicht die eigene Realität!

Unweigerlich entstehen vor meinem inneren Auge Bilder von alten, erfahrenen Seeleuten, die als Bronzestatue den einen oder anderen Hafenbereich zieren. Allerdings ist es so, dass keiner der abgebildeten Seefahrer nach oben in die Segel schaut, um deren korrekten Stand zu überprüfen. Nie schaut auch nur einer nach hinten, um sich zu vergewissern, dass kein Brecher das Schiff von achtern überrollt. Alles scheint sich nur vor dem Bug abzuspielen- also da, wo man noch gar nicht ist oder war…

Sollte ich ein Bild von mir in ähnlichen Situationen skizzieren, so wäre dieses doch deutlich anders. So gern ich auch sein wollte, wie die alten „Salzbuckel“, so sehr werden mir meine selbstkreierten „Stolpersteine“ bewusst. Auch ich stehe bei Zeiten am Ruder meines Schiffes und richte den Blick nach vorn- jedoch nur solange, bis Zweifel an meinem Handeln aufkommen. Ist der Kurs auch richtig? Habe ich vielleicht zu viel Segelfläche gesetzt? Wie wird das Wetter? Darf ich schlafen? Was, wenn ich über ein treibendes Hindernis fahre? Wer verfolgt meine Route? Bin ich zu langsam? Noch viele, weitere Fragen beschäftigen mich und halten mich vom Handeln ab. Die Gedanken kommen und ich halte sie fest.

Es ist fast so, als käme ein Riesenkrake aus der Tiefe des Meeres, wie ein Schatten- unangekündigt, beängstigend, stark und unbarmherzig. Seine riesigen und kräftigen Fangarme wollen nach mir greifen. Sie bahnen sich langsam über den Rumpf des Schiffes ihren Weg und kommen langsam und bedrohlich näher. Ich sehe sie kommen! Nicht mit einem Schlag, sondern umhersuchend und wie eine Schlange im Gras. Nahezu panisch nehme ich mir einen Gegenstand und schlage auf die Tentakel ein. Meine ganze Aufmerksamkeit hat nun dieses „Monster“- kein Blick verschwende ich mehr an den Kompass oder meine Navigationsinstrumente.

Es gibt nur noch den Riesenkalmar und mich. Sobald ich meine, einen Fangarm abgewehrt zu haben, kommt schon der nächste. Schier unendlich viele tauchen aus dem Wasser auf und bahnen sich ihren Weg zu mir…

Nach einer ganzen Weile ist der Kampf vorüber. Vollkommen erschöpft liege ich am Boden, unfähig meiner Arbeit nachzugehen- unfähig zu essen oder zu trinken- schlicht handlungsunfähig. Hilflos liege ich nur da.

Die Angriffe kommen aus dem Nichts. Manchmal vom Bug aus, wenn ich gerade meinen Blick nach vorn richte um zu sehen, was mich erwartet. Manchmal aber auch vom Heck des Bootes aus, wenn ich gerade schauen möchte, ob ich etwas auf der Fahrt verloren habe oder welche Strecke bereits hinter mir liegt. Nie jedoch, wenn ich gerade damit beschäftigt bin, ein gegenwärtiges Problem zu lösen. Ein Zufall? Es ist an der Zeit, die Angriffe und deren Verläufe zu analysieren.

Ein Monstrum dieser Größe- mit unzähligen Fangarmen, die länger sind als mein Schiff- einem unwirklichen, unförmigen Kopf mit leeren, nichtssagenden Augen- einem gelbbraunen, zerklüfteten, stinkenden Schnabel der vermuten lässt schon viele, verlorene Seelen zerrissen zu haben… Solch eine Kreatur kann man nicht töten… Dennoch hat sie es bislang noch nie geschafft, mich in die dunkle Tiefe zu ziehen… Woher kommt es? Was will es? Meine Aufmerksamkeit? Die hat es, und zwar meine gesamte!

Rüm Hart – Klar Kiming, gilt dieses Spruch für alle Bereiche des Lebens? Sollte ich auch einem lebensbedrohlichen Giganten der See mit weitem Herzen gegenübertreten?

Es ist Nacht- ich sitze im Cockpit meines Schiffes und schaue ins Kielwasser… Nachdenklich, ob mein Entschluss, liebe Menschen zurückgelassen zu haben, der richtige war… Es fängt erst leise an zu plätschern. Schatten zeichnen sich unter der Wasseroberfläche ab- oh nein, es kommt… Im faden Schein des, mit Wolken verhangenen, Mondes kann ich seine Tentakel erkennen. Mein Blick wendet sich ab- ich schaue auf meine Instrumente, den Kompass und kontrolliere die Stellung der Segel. Im Augenwinkel sehe ich die Fangarme, wie sie links und rechts von mir in Angriffsposition gehen. Mein Messer lasse ich aber in der Gürteltasche. Die Angst und Furcht in mir steigt schier in das unermessliche. Es ist kaum möglich, den Anblick auszuhalten. Meine Fäuste ballen sich in den tiefen Taschen meiner Jacke- bleiben aber dort. Wie wabernde Schleier im Wind umgeben mich die Arme des Monsters- sie packen aber nicht zu. Keinen Finger rühre ich, auch das Ungeheuer macht nichts- es ist einfach da. Nach einer unendlich erscheinenden Zeit, mein Blick fokussierte die Seekarte, glitt der Riesenkrake langsam und lautlos zurück ins Wasser. Die langen Arme bäumten sich noch kurz auf und taumelten herum, berührten mich aber nicht.

Einige Tage später, die Sonne verschwand- es wurde dunkel und kalt, sah ich, dass sich wieder Tentakel um Tentakel über das Vorschiff auf mich zu bewegten… Es war gespenstisch- ich machte aber keine Anstalten, mich nach allen Kräften zu verteidigen. Ich beobachte- machte aber nichts. Auch aus dieser Situation kam ich unbeschadet davon. Kein Arm griff nach mir und als es vorbei war, stand ich ebenso am Ruder, wie zuvor auch. Es greift mich nicht an, wenn ich es nicht angreife.

Die Wochen und Monate vergingen. Immer wieder bekam ich Besuch von dem Wesen aus der Tiefe. Fast freundschaftlich nahmen wir uns nun gegenseitig wahr und schauten uns für eine gewisse Zeit in die Augen. Sobald jedoch eine andere Situation meine sofortige Aufmerksamkeit erforderte, löste ich den Blick von der Kreatur und konzentrierte mich auf mein gegenwärtiges handeln.

Mein Herz ist offen – meine Wahrnehmung, für den in der Ferne liegenden Horizont, ungetrübt und klar. So möchte ich am Ruder meines Schiffes stehen. Unvoreingenommen möchte ich mich mit mir und der Welt beschäftigen. Offen für neue Erlebnisse aber auch offen für die eigenen Gedanken, ob sie nun aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft kommen mögen. Auch möchte ich „offen“ für mich selbst sein. Das eigene „ich“ erkennen und lernen es zu akzeptieren- mit allen Ecken und Kanten. Der alte Seemann der als Bronzestatue unbeeindruckt im Sturm und Regen sein Blick gerade aus und nach vorn richtet- der steht einfach da! Seien wir mal ehrlich- der ist von Innen aber auch hohl… Nein, hohl möchte ich nicht sein!

Die Reise wird sicherlich beschwerlich – viele Herausforderungen wollen bewältigt werden – Rückschläge werden kommen. Keiner kann das Meer bezwingen – der Wind wird sich nicht den eigenen Willen beugen. Die See bereichert uns mit Demut. Es geht nur mit ihr- nicht gegen sie.

Dennoch- ich bin bereit! Leinen los…

 

 

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Gibraltar Glue

Gibraltar Glue

Nein, so schlimm ist es denn doch nicht. Festgeklebt sind wir hier nicht, wir haben lediglich unsere Liegezeit in der Marina „La Linea“ (spanische Seite von Gibraltar) auf einen Monat fest gebucht- also vom 26.09.17 bis 26.10.17 liegen wir hier am Ponton Nr. 2 und genießen den Ausblick auf „the Rock“!

Wer hier mindestens einen Monat fest bucht und im Voraus zahlt, bekommt einen Rabatt von 9%. Wir wollen jetzt nicht anfangen zu sparen – die beschriebene Buchung wäre da sicherlich auch der verkehrte Weg… Wir kennen das ja: “Schau mal – die Schuhe waren heruntergesetzt und ich habe EUR 50,- gespart!“ Ja, klar- aber auch EUR 170,- ausgegeben… Also der Rabatt von 9% ist nicht der Grund unseres längeren Aufenthaltes. Warum also dann? Die Zeit in der Lagune von Olhaó war wirklich schön und gerne wären wir dort noch länger geblieben, aber irgendwann hat das ganze ja auch nichts mehr mit Fahrtensegeln zu tun und außerdem haben wir die Flüge für die Kids gebucht. Die Lütten kommen uns in den Herbstferien für 10 Tage besuchen und landen am 14.10.17 in Malagá. Gern hätten wir andere Flüge gebucht, beispielsweise direkt nach Gibraltar aber es geht nicht immer alles. Blöderweise gibt es nur wenige Fluggesellschaften, die Kinder im Alter von 12 Jahren auch ohne in Begleitung eines Erwachsenen einsteigen lassen. Die günstige „Ryanair“ gehört nicht dazu. Eine weitere Einschränkung zur Buchung sind Direktflüge – ungern möchten wir den Kindern zumuten, dass sie nach 12 Stunden Aufenthalt in Prag oder sonst wo umsteigen müssen, um nochmals den richtigen Einstieg aus der Vielfalt an Gates herauszufinden. Einen passenden Flug, der auch noch einigermaßen bezahlbar war, fanden wir nun von Hamburg nach Malagá und so auch wieder zurück.

Wer nun denkt, oh schön, da können die Lütten ja noch gemütlich an der Costa del Sol entlang schippern, der irrt etwas. Hier, im westlichen Mittelmeer, gibt es ein Phänomen Namens „Levante“. Dies ist keine spanische Eissorte, sondern ein Wind, der mit nicht unerheblicher Stärke aus dem östlichen Quadranten pustet. Eine wilde Achterbahnfahrt möchte ich mit Kindern an Bord und der dazugehörigen Verantwortung nicht riskieren. Sichere Ankerbuchten gibt es an der spanischen Festlandküste (in dem Bereich wo wir uns befinden / Gibraltar – Malagá) so gut wie überhaupt nicht. Zu allem Überfluss herrscht meist noch eine „Legerwall“- Situation vor. Kurze Erklärung: Legerwall bedeutet, dass ein Schiff aufgrund von Windrichtung, Wellen und/oder Meeresströmung in die Gefahr gerät, an der Küste aufzulaufen/zu stranden. Alles keine guten Voraussetzungen für einen entspannten Urlaub. Die Häfen entlang des Küstenabschnitts sind überdies teilweise mit sehr hohen Hafengebühren ausgestattet. Muss also auch kein Mensch haben! Tja, und aus diesem Grund hat uns etwas der „Gibraltar Glue“ gepackt. Es gibt hier aber auch ohne große Segelabenteuer viel zu entdecken. Nach dem Frühstück beispielsweise zu Fuß über ein Rollfeld ins Englische Königreich zu spazieren hat doch auch etwas,oder?! Wir werden uns es hier schon schön und gemütlich machen, dessen bin ich mir sicher!

Um ehrlich zu sein, haben mich die Etappen bis hier nach La Linea auch etwas ermüdet. Wie dem einen oder anderen sicherlich aufgefallen ist, entsprangen bisher alle Berichte auf unserer Website der Feder von Christine (was sie übrigens sehr toll gemacht hat, wie ich finde). Diese einseitige Schreiberei hatte auch ihre Gründe.

Leider gab es einige Tage, an denen der „schwarze Hund“ mich aufgestöbert und festgehalten hat. Wer mit dieser Umschreibung nichts anzufangen weiß, dem sei Google oder mein Text in „wir über uns“ zu empfehlen. Mich lässt diese Krankheit nicht los und ich habe mir selber auf die Fahne geschrieben, auch hierüber zu berichten. Das gehört zwar weniger zu einem Segelblog, doch mit unserer Reise wollte ich mir ja schließlich auch die Zeit nehmen, meine Seele in etwas ruhigere Fahrwasser zu lenken. Ungestörte Zeit, Zeit über Akzeptanz und persönliche Ziele nachzudenken. Es ist mir immer noch unbegreiflich, dass Themen wie Depressionen und Suizid in den Medien zwar ansatzweise publiziert werden, es aber keine – oder sehr wenige – Menschen gibt, die innerhalb der eigenen Familie oder im Bekanntenkreis Betroffene kennen wollen. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen – oder besser geschwiegen bis der Tot Tatsache geworden ist.

Nur als Randnotiz: Im Jahr 2015 kam es auf deutschen Straßen zu 3.475 Verkehrsunfällen mit Todesfolge. Ein Jahr zuvor, 2014, wurden offiziell 10.209 Suizidtote gezählt. Eine Dunkelziffer kann hier keiner benennen.

Was hätte mir damals geholfen? Nach Außen offensichtliche Anzeichen wie Erschöpfung oder und Arbeitswut gepaart mit Rastlosigkeit, wurden zu oft mit Kommentaren wie „bist Du etwa schlecht drauf“? oder andersherum „Man, Du arbeitest ja wie ein Tier“ abgetan. Beide Anzeichnen, wie auch beide Kommentare haben in mir eine weitere Abwärtsbewegung in Gang gesetzt. „Bist Du etwa schlecht drauf“? führte mir deutlich vor Augen, dass ich den Anforderungen, die an mich gestellt wurden nicht gewachsen war. „Man, Du arbeitest ja wie ein Tier“ führte dazu, dass ich den eigenen Leistungsdruck hochschraubte und sich früher oder später ein Scheitern in der Erreichung der eigenen, nie zu erreichenden Ziele einstellte. Diese ungleichen Verhaltensweisen bestärken in jedem Fall die eigene, negative Sichtweise. Es wäre nun falsch zu schreiben, dass ich mich freuen würde, wenn sich einige von Euch in den beschriebenen Verhaltensmustern wieder erkennen würden. Diejenigen, die es eventuell tun, würden nur leise und unbeobachtet mit dem Kopf nicken. Es würde mich jedoch freuen, wenn ich den einen oder anderen dazu bewegen könnte, seine eigene Familie oder sein Umfeld etwas sensibler zu betrachten. Eine direkte Konfrontation und Gesprächsversuche halte ich persönlich (so hätte und würde ich es empfinden) nicht für ratsam. Vielleicht schreibt man sich in einer ruhigen Stunde mal gegenseitig auf einen Zettel, wann man das letzte Mal uneingeschränkte Freude empfunden hat – in welcher Situation? (im welchen Jahr?) Dieser Anfang sorgt dann sicherlich für reichlich Gesprächsstoff und nicht für Zoff…

Gerade schaue ich nach links unten, auf die Zählfunktion von „Word“- 965 Wörter, stand da gerade… 965 Wörter in 4,5 Stunden?! Egal, auch das kann jeder wissen. Es ist ja nun online, ohne Zeitdruck!

Den nächsten Bericht werde ich ganz bestimmt etwas fröhlicher und nicht so nachdenklich verfassen, versprochen!

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