Ferien auf der Second Life

Ferien auf der Second Life

31.08.2017

 Am 30.07. war es endlich soweit und wir haben Emma und Pia in Lissabon in Empfang genommen. Sie waren ganz stolz und aufgeregt, sind sie doch das erste Mal in ihrem Leben ganz alleine geflogen. Und sie haben es toll gemeistert – in Hamburg durfte ihre Mama sogar noch mit bis zum Gate kommen und in Lissabon angekommen, haben wir per Telefon etwas navigatorische Hilfe geboten. Aber sie haben sich auch „freundlich“ durchgefragt: „Exit???“ Schön, dass ich vorab extra ein paar nützliche (ganze) Sätze auf Englisch für sie aufgeschrieben hatte, die sie auch dabei hatten…. War wohl einfach zu aufregend und es hat dank freundlicher Menschen auch prima so geklappt!

Mit der Bahn ging es dann gemeinsam zurück nach Oeiras, wo dann natürlich schnellstmöglich in die Badesachen und ins Wasser gehüpft wurde! Dass das Wasser hier mit nur 18 Grad noch nicht wirklich sommerlich war, störte die beiden Wasserratten überhaupt nicht.

So vergingen ein paar schöne Tage zum Eingewöhnen in Oeiras – baden, baden, baden, mindestens ein Eis pro Tag essen und mit dem benachbarten Bordhund Freddy spielen und schmusen. So müssen Ferien sein!

Am 06.08.2017 zog es uns aber weiter und so setzten wir Kurs auf den Rio Sado, um bei Setubal/Troia zu ankern. Ein Tipp von Freddys Herrchen, da soll es Delphine im Fluss geben! Da mussten wir natürlich hin! Auf den knapp 40 Seemeilen wurde es beiden Kindern ein wenig schlecht – die Atlantikdünung ist ja auch wirklich gewöhnungsbedürftig und schon eine andere Nummer, als auf der Ostsee. Um schlechten Erlebnissen vorzubeugen, gab es also je eine rosa Pille und so wurde fast die komplette Fahrt gemütlich unten hinter den Leesegeln verpennt. Natürlich mussten wir vorher das Versprechen abgeben, sie bei Delfinsichtungen sofort zu wecken. Ehrensache! Leider haben sich keine blicken lassen. Nachmittags um 15 Uhr fiel unser Anker dann vor einem wunderschönen, feinsandigen und einsamen Strand in Lee der Halbinsel Troia im Sado. Bis zum Ende der Ferien herrschte bei den Zwillingen Einigkeit darüber, dass dies zusammen mit der Lagune bei Culatra der schönste Ankerplatz war! Zwei Nächte blieben wir, bis der Wind leider drehte und auffrische und wir in eine unschöne Legerwallsituation kamen. Also Anker auf und ab in die nahe Marina Troia – die teuerste Marina unserer bisherigen Reise mit EUR 36,50 pro Nacht, autsch! Und das, obwohl wir nicht mal Strom nehmen konnten, weil wir für die riesigen Stecker keinen Adapter haben. Wie gut, dass wir unser eigenes Ökostromkraftwerk dabei haben!!

Hier lagen wir zwei Nächte, bis der Wind wieder kinderfreundliche Stärke angenommen hatte. Auf Troia gibt es ein schönes Naturschutzgebiet mit vielen Seevögeln, weißen Sanddünen, Lagunen und Pinienwäldern, das ich bei einem langen Spaziergang mit den Kindern erkundet habe, während der Seepeer sich um das Wohlergehen und die Pflege der Second Life kümmerte.

Sines wurde uns mehrfach empfohlen und so ging es also am 10.08. weiter dorthin. Auf dem Weg dahin waren schöne Winde von 4-5 Beaufort und wir konnten einen Großteil der knapp 40 sm Schmetterling mit ausgebaumter Genua segeln. Leider war auch wieder eine ordentliche Welle und so gab es für die armen Mädchen wieder rosa Pillen. Pünktlich als der Anker am Nachmittag in der Bucht fiel, waren die beiden aber wieder fit und schneller im Wasser als man gucken konnte. Die nächsten zwei Tage wurden die Gässchen und die Burg erkundet und das schöne Wetter genossen. Auch hier waren kaum ausländische Touristen, nur ein paar Portugiesen bevölkerten den Strand unter der Promenade.

Nach zwei Nächten wollten wir aber weiter. Unser eigentliches Ziel war Portimao, aber da wir den Kindern nicht zu lange Schläge zumuten wollten, sollte es unterwegs noch 1-2 Ankerstopps geben. Ziel für heute sollte Arrifana sein – eine Bucht zwischen steilen Felsklippen, in der es sonst nicht viel gab. Aber die Kulisse war schon sehr beeindruckend! Leider war es der Schwell dort auch, weswegen wir nachmittags nach einer Stunde Badestopp wieder geflüchtet sind, in der Hoffnung, vor Sagres etwas ruhiger zu liegen. Um 23.00 Uhr mussten wir dort feststellen, dass dem leider nicht so ist. Es wurde also eine sehr schaukelige Nacht und gleich früh am nächsten Morgen waren wir schon wieder unterwegs nach Portimao. Auf dem Weg dorthin gab es endlich die heiß herbeigesehnten Delfinsichtungen für die Kinder! Schön, dass sie nun doch noch welche sehen konnten, wenn auch leider nicht so lange und nah, wie wir es schon erleben durften. Trotzdem ein unvergessliches Erlebnis für die Beiden.

In Portimao fiel unser Anker hinter dem Wellenbrecher in einem sehr großen Ankerfeld. Dieser Ort könnte kontrastreicher kaum sein: auf der einen Seite Bettenburgen und Halligalli ohne Ende, auf der anderen kleine, nicht überfüllte Sandstrände mit den typischen Sandsteinfelsen und kleinen Strandbars und ein Stück weiter flussaufwärts der kleine Fischerort Ferragudo, total urig und verschlafen.

Insofern fällt unser Urteil auch zweigeteilt aus. Die „Ferragudoseite“ gefiel uns sehr und die Kinder haben die Strände und das endlich wärmere Wasser geliebt! Die Marina sah gut aus, aber wir waren dort nur zum Wasser- und Kraftstoff holen und haben einmal große Wäsche mit den super Industriewaschmaschinen dort gemacht. Ansonsten waren wir gar nicht im Ort Portimao, so abgeschreckt waren wir von der Geräuschkulisse dort. Vom Hotel Club Nau dort dröhne fast den ganzen Tag Musik, abends dann richtig laut, teilweise mit Lightshow und allem Drum und Dran. Dass von den Strandbars auf der anderen Seite der Ankerbucht dann noch (teilweise sogar ganz schöne) Live-Musik herüber schallte und sich mit den Bässen mischte, machte die Sache auch nicht besser. Und wir haben noch nie so viele Jet-Skis und Motorboote gesehen, die in einem Affenzahn ohne Rücksicht auf Verluste den ganzen Tag kreuz und quer durchs Ankerfeld rauschten. Abgesehen von dem Lärm und Schwell war es so lebensgefährlich von Bord aus Schwimmen zu gehen, was wir und ganz besonders die Kinder traurig fanden. In der Nebensaison soll es aber ruhiger sein und insofern lohnt sich ein Besuch bestimmt.

Nach fünf Tagen hatten wir genug von dem Trubel und wollten weiter Richtung Faro, wo wir die verbleibende Zeit bis zum Rückflug der Kinder verbringen wollten. Die Fahrt verlief relativ ereignislos – die Kids haben fast die ganze Fahrt „Die Tribute von Panem“ gehört und wir konnten immerhin 2 Stunden segeln, bevor wieder der Motor ran musste. Die Einfahrt in den Fluss war spannend, bei ablaufenden Wasser (aber Flaute und kaum Welle draußen) hat es regelrecht gekocht. Bei anderen Wetterverhältnissen sollte man auf jeden Fall bei oder kurz vor Hochwasser hier reinfahren, sonst kann das unangenehm bzw. gefährlich werden, denn das Fahrwasser ist auch sehr schmal. Aber einmal drin war dann alles ruhig und wir nahmen nicht den Abzweig nach Faro, sondern weiter hinter die Ilha de Culatra, der Insel, die den Atlantik von der Lagune dahinter trennt. Auf Höhe des gleichnamigen Inselörtchens fiel unser Anker auf ca. 5m Wassertiefe. Hier lagen sicher um die 100 Yachten, ohne dass es voll wirkte.

Wir waren alle begeistert. Endlich Natur pur, genau wie wir es lieben! Emma und Pia waren bei nun über 25 Grad Wassertemperatur mehr im Wasser, als an Land bzw. an Bord. Es gab zahllose Strände zu erkunden und an keinem war es überfüllt, einige sogar menschenleer – mitten in der Hochsaison. In der Lagune konnte man toll tauchen, schnorcheln und Muscheln suchen und auf der Atlantikseite gab es tolle Wellen, in denen man toben konnte. Auch am Schiff konnte man toll schwimmen und tauchen – unter Wasser glich es einem Riff, so viele Fische tummelten sich um die SL!

Wasser zu bekommen, ist hier nicht ganz so einfach. Ab und zu kommt George mit seinem Wassertaxi (ein kleines Fischerboot mit ein paar großen, rechteckigen Wasserkanistern, wie man sie bei uns auf Weiden stehen sieht) und versorgt die Ankerlieger mit qualitativ gutem Frischwasser. Ansonsten muss man die 5L Gallonen aus dem Supermarkt schleppen und damit zwangsläufig viel Plastikmüll produzieren. Leider hat unser Wassermacher auf dem Weg nach Oeiras den Geist aufgegeben. Er baut keinen Druck mehr auf und nach einigen Telefonaten und und E-Mails mit Katadyn sind es wohl die Dichtungen und/oder ein Ventil. Was richtig ärgerlich ist, denn wir hatten das Gerät zur Generalüberholung bei einem Servicebetrieb von Katadyn, wo die Membran und alle Dichtungen angeblich gewechselt worden sind (woran wir jetzt erhebliche Zweifel haben). Der Betrieb ist leider seit Wochen telefonisch nicht erreichbar und meldet sich auf Rückrufbitten oder E-Mails nicht. Es wird wohl nun darauf hinauslaufen, dass wir das Gerät zu Katadyn in die Schweiz schicken müssen 🙁

Was ich aber eigentlich schreiben wollte ist, dass es für die Kinder, die Zuhause ein 38qm Badezimmer mit Sauna; Badewanne und Regendusche haben, eine interessante Erfahrung war, dass Ressourcen auch endlich sein können. Wir haben hier keine Innendusche und so wird sich erst mit Salzwasser und Pütz eingeschäumt, dann ins Wasser gesprungen und am Ende mit Süsswasser aus unserer 10L-Fusspumpdusche abgespült. Zu viert sind wir mit den 10 Litern zum Dusche gut ausgekommen und den Kids hat es so viel Spaß gemacht, dass sie Zuhause auch so eine Dusche haben wollten 🙂

Auch die längsten Ferien gehen einmal zu Ende und so hieß es gestern, am letzten Tag der Hamburger Ferien, sehr früh aufstehen und per Dinghi, Bahn und Bus zum Flughafen Faro fahren, um von dort nach Hause zu fliegen. Beim Check-in trafen wir dann zufällig meinen ehemaligen Arbeitskollegen Michael, der sich total nett anbot, die Mädels mit zum Gate zu nehmen. Wieder Schwein gehabt! Die Beiden haben sich anscheinend mit Michaels Kindern so gut unterhalten, dass sie ganz vergessen haben, uns noch einmal anzurufen, wenn sie am Gate angekommen waren. Michael, falls Du das liest: 1.000 Dank noch mal!!!

Zurück auf dem Schiff war es schon ein bisschen komisch. So ruhig!? Aber ganz ehrlich? Zu viert so viele Wochen auf so engem Raum ist auch nicht immer einfach, denn Privatsphäre ist dann natürlich Fehlanzeige und da wir beide Menschen sind, die auch mal ein bisschen für sich ein müssen, tat ein bisschen „Freiheit“ jetzt auch wieder ganz gut.

Es waren super 4,5 Wochen und wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch der Beiden in den Herbstferien! Für 10 Tage kommen sie dann an der spanischen Costa del Sol zu uns an Bord.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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6 Replies to “Ferien auf der Second Life”

  1. Hallo ihr beiden, sehr schöne Seiten, die ihr da erstellt habt und eine tolle Reise. Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr auf den Kanaren wieder. Bis dahin Mast und Schotbruch und gutes Weiterkommen.

  2. Hallo Ihr Zwei, schön dass ich jetzt auch als nicht-Facebookerin endlich kommentieren kann. Tolle Bilder, super Texte, ich freue mich total für Euch. Noch weiter eine wunderbare Fahrt und ganz liebe Grüße, bis demnächst Birgit
    Liebe Grüße auch von Thomas

    1. Hey Ihr Lieben!
      Danke für den lieben Kommentar – wir freuen uns, wenn Eich die Seite gefällt! Euer Wal- und Delfinbuch konnten wir schon öfter zu Rate ziehen, wenn wir Delfine gesehen haben:-)
      Ich hoffe, Ihr hattet bzw. habt eine schöne Sainson und nette neue Stegnachbarn! Liebe Grüße von Christine & Peer

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