Plötzlich zu dritt

Plötzlich zu dritt

Wir haben große Neuigkeiten!

Kurz nachdem die Kinder wieder weg waren, bin ich 400km Richtung Norden gefahren, um ein neues Crewmitglied abzuholen. Peer hat sich nämlich verliebt. Übers Internet. In eine Portugiesin! Und viel jünger ist sie auch noch!?

Aber der Reihe nach: Während die Kinder bei uns waren, musste Zuhause der Familienhund Gauda eingeschläfert werden. Das war für die Kinder, aber auch für Peer sehr traurig. Peer hat Gauda damals über den Verein Viszla in Not adoptiert, genauso wie Rehlein – die aber schon früher in den Hundehimmel musste. Um den Kindern zu zeigen, dass es noch viel mehr arme Hunde gibt, die auf ein schönes Plätzchen warten (auch hier in Portugal), ist er bei der Suche im Internet auf Nucha gestoßen. Und hat sich sofort verliebt. Um es mir schonend beizubringen, schickte er mir (ich saß ca. 2m entfernt von ihm) folgende Nachricht:

Ich nahm das anfangs gar nicht ernst. Ein Hund an Bord war für mich ziemlich unvorstellbar und ich dachte immer, für Peer auch!? Wir wollten um die Welt, was wochenlange Ozeanpassagen bedeuten würde!? In viele Länder kann man Hunde nicht oder nur mit erheblichem Aufwand einführen. Also würden einige Destinationen damit wegfallen. Unsere Routenplanung würde dann nicht nur abhängig sein von den Ferien der Kinder, sondern auch von den Hundebedürfnissen.

Ist das dann noch die Freiheit, von der wir jahrelang geträumt haben? Auf die wir so hart hingearbeitet und in die wir alles, was wir besitzen bzw. besaßen investiert haben? Was, wenn Nucha seekrank und sich an Bord nicht wohl fühlen würde?

Es folgten abendfüllende Diskussionen. Am Ende siegte unsere Tier- und besonders Hundeliebe. Beide mit Hunden (und ich noch mit diversem Viechszeugs mehr) aufgewachsen fehlte uns ein tierischer Begleiter schon sehr. Ich vermisse meinen Hund Nele jeden Tag. Sie ist leider schon 14 Jahre alt, hat ein paar Alterswehwehchen und ist auch mit dem Segeln bzw. Bootsleben zu spät in Berührung gekommen, um sich dafür begeistern zu lassen. Also habe ich sie schweren Herzens in Hamburg bei meinen Eltern gelassen, wo sie ein fürstliches Leben als Enkelhund führt. Besser kann man es als Hund nicht haben! An dieser Stelle DANKE, Mami & Papi, dass Ihr Euch so toll um das Nelchen kümmert und ihr so ein schönes Hundeleben bereitet!!

Mit zu unserer positiven Entscheidung beigetragen haben viele Hunde, die wir unterwegs getroffen haben und die mit ihren Besitzern auf Langfahrt sind. Sie machten alle einen glücklichen und entspannten Eindruck. Sogar die, die schon über den Atlantik gesegelt sind, haben es gut weggesteckt. Wobei das sicherlich nicht jederhunds Sache ist und sehr vom Temperament und den Beschäftigungsmöglichkeiten abhängt.

Es war also entschieden, Nucha sollte unser Bootshund werden. Die Frage war aber, ob sich das die Tierschutzorganisation Casa Esperanza (https://web.facebook.com/casaesperanzafocinhos) auch vorstellen konnte. Wir haben also eine Anfrage mit einer ausführlichen Beschreibung dessen, was Nucha alles bei uns erwarten würde per E-Mail abgeschickt. Danach folgten bange Stunden des Wartens… Aber bereits abends kam die positive Antwort. Es wurde also vereinbart, dass ich Nucha besuche und wenn wir uns gegenseitig sympathisch wären, könnte ich sie auch gleich mit zurücknehmen. Die Vorkontrolle, wie bei seriösen Tierschutzorganisationen üblich, folgte in diesem Fall ein paar Tage nachdem Nucha schon bei uns eingezogen war durch eine Mitarbeiterin, die gerade in der Nähe von Faro Urlaub machte.

Der Mietwagen war schnell gebucht (und zum Glück spottbillig hier in Portugal), so dass dem 800km-Trip nichts mehr im Wege stand. Peer musste wegen vorhergesagtem Starkwind bei der SL am Ankerplatz bleiben – zu groß war uns die Gefahr durch Yachten, die hier bei starkem Wind immer wieder auf Drift quer durchs Ankerfeld gehen. Mit Dinghi, Bahn und Bus ging es erst mal nach Faro zum Flughafen, um den Wagen abzuholen und dann, nach einem Abstecher zu Ikea, um noch ein paar Kuscheldecken zu besorgen, nach Marinha Grande unweit von Nazare, wo wir vor ein paar Wochen vorbeigesegelt sind. Schon komisch, jetzt die Strecke wieder zurück zu fahren 🙂

Mittags war ich da und dann ging eigentlich alles ganz schnell. Nucha war, wie auch schon angekündigt, recht ängstlich und hielt sich eher im Hintergrund, während andere Hunde ihrer Gruppe mich wild begrüßten und ansprangen. Da möchte man am liebsten alle mitnehmen… Aber es sollte ja nun Nucha sein und daran änderte sich trotz ihrer Schüchternheit auch nichts.

 Für die Reisen in andere Länder fehlte ihr noch eine Tollwutimpfung, ein Chip samt EU-Heimtierausweis und eine Blutuntersuchung auf Mittelmeerkrankheiten sollte auch noch gemacht werden. Also fuhr ich mit Luzia von der Casa Esperanza und Nucha zum Tierarzt, wo das kleine Seelchen alles brav über sich ergehen ließ. Aber Angst hatte sie und ich machte mir insgeheim schon etwas Sorgen, wie sie alle die neuen Eindrücke in den nächsten Tagen und Wochen – noch dazu auf einem schaukelnden Segelboot – verkraften würde.

Auf dem Rückweg wurde in der nahegelegenen Tierhandlung noch ein Sack Futter und zwei Näpfe besorgt und nachdem uns Luzia verabschiedet hatte, ging es für uns zurück ca. 400km nach Olhau, wo uns Peer per Dinghi abholen würde.

Die Fahrt verlief gut, Nucha lag ganz ruhig auf ihrer Decke. Klar hatte sie Angst, war aber nicht panisch. Pippi-Stopps waren leider vergeblich und auch trinken wollte sie nichts. Schon lange nach Sonnenuntergang kamen wir dann in Olhau an, wo Peer schon auf uns wartete. Die Dinghifahrt klappte erstaunlich gut, Nucha schaute sich interessiert um und ihr schien das besser zu gefallen, als Autofahren. Ihre erste Nacht an Bord verbrachte sie dann in ihrer selbsterwählten Rückzugsecke unter dem Kartentisch. Am nächsten Tag hat sie dann auch schon gefressen und getrunken und ganz langsam eine kleine Entdeckungstour an Deck unternommen. Sie taute merklich auf.

Nur an Land war es die ersten Tage sehr schwierig. Culatra ist wirklich ein sehr kleines, verschlafendes Fischerdörfchen, ohne Autos, Menschenmassen u.ä.. Trotzdem legte sich Nucha immer nur hin und beobachtete ängstlich ihre Umgebung. Leine, Geschirr etc. kannte sie nicht und auch das machte ihr so viel Angst, dass sie sich einfach hinlegte.

Also beschloss ich, die nächsten Tage einfach immer ein paar Stunden mit Ihr an einen menschenleeren Strand zu gehen und abzuwarten, ob sie von sich aus irgendwann einmal auf Erkundungstour gehen würde. Ganz zaghaft, ging sie dann mal 2m nach links und rechts, aber meist lag sie nach wie vor und ließ sich auch nicht animieren, ein Stückchen zu gehen.

Wir machten uns ganz schön Sorgen. Aber dass sie an Bord schon recht selbstverständlich unterwegs war und inzwischen auch lieber oben bei uns auf den Salonbänken lag, statt in ihrem Versteck, machte uns Hoffnung, dass es an Land auch noch klappen würde.

Eines Morgens fuhr uns Peer mit dem Dinghi (inzwischen umgetauft in Nuchi Taxi) zum Strand und was macht der Hund? Läuft los und geht mit mir über 1,5 Stunden an der Schleppleine spazieren als ob sie nie etwas Anderes gemacht hätte!?!?

Könnt Ihr Euch vorstellen, WIE erleichtert wir waren??? Das war ein ganz großer Tag!

Und ab da ging es steil bergauf. Nucha und ich erkundeten die Lagune bei stundenlangen Streifzügen und trafen dabei fast keine Menschenseele. Sie entdeckte das Buddeln für sich und dabei auch den einen oder anderen Krebs. Sie watete mit mir durch Priele und am Ende ist sie sogar mit Begeisterung geschwommen. Ein bisschen geübt haben wir auch und sehr oft kommt sie schon auf Ruf und Sitz machen kann sie auch schon. Auf Schnüffeltour nach versteckten Leckerlies gehen findet sie auch super – am liebsten, wenn der Seepeer sie unter Muscheln versteckt!

Ihr Selbstbewusstsein wuchs jeden Tag ein Stück. Rein und aus dem Dinghi springt sie schon alleine und auch den Freilauf (mit 10m Schleppleine dran) haben wir schon ausprobiert. Klappt gut – kleine Ausflüge, um Seevögel zu ärgern, erwähnen wir jetzt lieber nicht 😉

Besonders genossen haben wir drei unseren täglichen Morgenspaziergang – zu dieser Zeit meist bei Ebbe und kurz nach Sonnenaufgang. Eine unglaublich schöne Stimmung, die Peer mit der Kamera recht gut einfangen konnte, wie Ihr auf den Fotos seht.

Nach fast drei Wochen klappten auch Spaziergänge durchs Dorf und sogar im Café war Nucha schon mit uns und lag dabei ganz ruhig und brav neben meinen Stuhl. Nun zum Glück nicht mehr ängstlich versteinert, sondern interessiert, aber auch schon recht entspannt.

Wir sind ganz stolz auf ihre Entwicklung in dieser kurzen Zeit und sehr zuversichtlich, dass sie ein toller und glücklicher Bordhund wird!

Da Nucha sich nun ganz gut eingewöhnt hat, trauen wir ihr zu, mit uns ein Stückchen weiter zu segeln und das bedeutet Abschied nehmen von dieser wunderschönen Lagune, in der wir eine so tolle Zeit verbracht haben. Ein bisschen Wehmut kam da schon auf, auch wenn wir uns auch schon auf neue Orte und Ziele freuen. Hierher möchten wir auf jeden Fall wieder kommen!!

Nach einem sehr schönen letzten Abend bei Walter auf seinem selbst gezeichneten und gebauten Katamaran Fran Arc 2, hieß es am am Morgen des 22.09.2017 – nach einer letzten Hunderunde – Anker auf. Die fünf Wochen im Wasser sah (und roch) man dem Ankergeschirr deutlich an! Puh!!!

Wir hatten uns für Nuchas erste Seefahrt einen ruhigen Tag ausgesucht und so ging es fast ausschließlich unter Motor nach Mazagon in Andalusien. Nucha schlug sich sehr wacker – klar, Motorgeräusche und Wellen sind ungewohnt, aber nach ein paar Stunden lag sie schon sehr entspannt und hat sogar geschlafen.

Nach unserer Ankunft am Abend bin ich mit ihr gleich zu einem Spaziergang aufgebrochen – und musste leider feststellen, dass die Spanier weit weniger hundefreundlich sind als die Portugiesen. Überall Verbotsschilder und an den Strand dürfen Hunde gar nicht. Schade! Aber nach einiger Recherche haben wir herausgefunden, dass das in den Wintermonaten ab Oktober nicht mehr so streng genommen wird. Wollen wir es hoffen! Für Nucha gibt es „in der Zivilisation“ zum Glück trotzdem noch so viel Neues zu sehen, zu hören und zu riechen, dass ihr trotzdem nicht langweilig war und sie nachts wie ein Stein geschlafen hat.

Am nächsten Tag stand große Dusche auf dem Programm. Natürlich war es für uns ein Genuss, mal wieder mit (heißem) Wasser ohne Limit zu duschen, aber in erster Linie freute sich unser „salty boat“ (wie sie ein Engländer mal anerkennend betitelt hat) über eine gründliche Süßwasserdusche um all das Salz und den Sand der letzten Wochen los zu werden. Wir waren den ganzen Tag am Wienern. Auch Nuschi bekam ein Bad und verschlief den heißen Tag dann ganz flauschig, bevor es am kühleren Abend wieder auf Endeckungstour ging.

Allzu lange Schläge wollen wir Nuchi noch nicht zumuten, deswegen machten wir den nächsten Stopp in Rota bei Cadiz und einen weiteren in Barbate. Dieser Ort wird in unserem Revierführer als eher nicht lohnend beschrieben – wir allerdings fanden es sehr nett dort und vor allem ist es ein Tipp für Hundebesitzer. Gleich rechts vom Hafen (von Land aus gesehen) gibt es einen großen, verwilderten Naturpark mit einem tollen Strand, an dem Hunde nicht verboten sind.

Heute morgen sind wir nach La Linea aufgebrochen, dem spanischen Nachbarhafen von Gibraltar, wo uns ein paar Pakete erwarten mit Schiffs- und Hundeausrüstung. Auf dem Weg dorthin geht es durch die Straße von Gibraltar – spannend! Wir haben guten Segelwind, aber leider auch eine anständige Welle, die Nuchi noch nicht so recht geheuer ist. So haben wir es uns erst mal unten auf der Salonkoje hinterm Leesegel gemütlich gemacht und suchen zusammen schöne Fotos für Euch aus 🙂

Und nächstes Mal erzählen wir dann von unseren Erlebnissen in Gibraltar – mal sehen, was die frechen Affen zu Hunden sagen!?

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11 Replies to “Plötzlich zu dritt”

  1. Hallo zusammen, habe gerade Euren Blog gefunden. Erinnert Ihr Euch an die “Gasflasche” auf Christiansö? Das bin ich von der “DoubleFun”. Ihr habt ja damals schon davon erzählt, dass Ihr auf die große Reise wollt. Ich wünsche Euch – und natürlich Eurem ganz neuen Crewmitglied – viel Glück auf Eurem Törn und viele sichere Seemeilen mit der SecondLife. Werde Euren Blog jetzt mit Interesse verfolgen.

    1. Lieber Wolfgang,
      das ist ja eine tolle Überraschung! Wir freuen uns riesig über Deine Nachricht! Wie hast Du uns gefunden? Ich hoffe, Euch und der DoubleFun geht es gut und ihr hattet schöne Sommertörns? Ganz liebe Grüße an Dich & Deine Frau, Christine & Peer

    1. Hi Tanja & Christoph,
      lieben Dank für Euren Kommentar. Derzeit sind wir etwas im Stress und müssen die “Second Life” auf den Besuch meiner Zwillinge (ETA morgen 1400) vorbereiten. Wir freuen uns schon, wenn es etwas ruhiger ist, in Eurem Blog zu stöbern…
      Beste Grüße und eine tolle Zeit in Vietnam – die “Second Life´s”

  2. Liebe Christine, gestern haben wir, in der Rissener Heide, deine Eltern und Nele getroffen. Nele und Paloma haben sich stürmisch begrüßt .Als ich zu Paloma sagte…” schau mal Paloma, da hinten kommt Nele” Ihr Blick….Nele…Nele..wo ist Nele….und dann schoß sie los… Beide freuten sich so sehr, es war zauberhaft anzusehen. Eure Seite … Second Life, war bei mir, im hintersten Stübchen, verstaut… grins..Ach ja, Second Life.. deine Ma sprach davon und erzählte von euren Hund. …. jetzt bin ich wieder auf eurer Seite, und werde sie nicht mehr so schnell verlassen. … grins. Ihr Beide seid sooo toll, wieder eine Hundeseele gerettet, es gibt ja keine besseren Hundeeltern. Nuchi ist zauberhaft… die Ohren sie etwas von Nele abgeguckt . Ich freue mich sehr für Euch und wünsche Euch weiterhin eine traumhaft schöne Zeit und das Eure Schutzengel immer auf Euch aufpassen. Ganz liebe Grüße an Euch ” Dreien” von Evelyn!

    1. Liebe Evelyn,
      das haben mir meine Eltern auch erzählt, dass Ihr Euch getroffen habt und dass das Wiedersehen der Hunde so rührend war. Da wäre ich gern dabei gewesen. Überhaupt vermisse ich mein Nelchen sehr – aber wo könnte sie es besser haben, als bei ‘Oma & Opa’ (hoffentlich lesen sie das nicht😜). Wir freuen uns, wenn Du unsere Reise hier mitverfolgst. Ganz liebe Grüße an Dich und die Hundis, Christine

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