Schöne schreckliche Biskaya

Schöne schreckliche Biskaya

02.07.2017

 Nachdem wir am letzten Abend noch mit der Crew der Blue Pearl schön gegrillt haben, ging es nun am Mittag endlich los! Da die Windvorhersage noch nicht so 100%ig passte für die nächsten Tage wollten wir unterwegs entscheiden, ob wir noch nach Camaret sur Mer gehen, oder gleich den großen Schlag nach A Coruna machen. Dank unserer neuen SSB-Funkanlage mit Pactor-Modem können wir auch unterwegs die Wettervorhersagen von Wetterwelt abrufen.

Vorerst war – mal wieder – kein Wind, also sind wir unter Motor gegen die alte, kabbelige Dünung angefahren. Sehr unangenehm und ich mir ging es dabei gar nicht gut. So schlimm, dass ich eine Tablette gegen Seekrankheit nehmen musste und erst mal ausgefallen bin. So hat der Seepeer erst einmal tapfer alleine durchgehalten. Gegen 23 Uhr haben wir nach erneutem Wettercheck beschlossen, nicht mehr nach Camaret zu fahren, sondern die Biskaya gleich zu überqueren. Bis Donnerstag soll es für uns passen, auch wenn teilweise bis zu 6 Windstärken angesagt sind. Jürgen, der einhand mit der JoJo unterwegs ist, hat sich ebenfalls so entschieden. Allerdings ist er deutlich schneller als wir unterwegs und schon bald können wir ihn über UKW-Funk nur noch schwer und später gar nicht mehr hören. So motoren wir also so dahin.

Ich habe Glück, als ich um 4.30 Uhr endlich wieder fit für einen Wachwechsel bin, können wir den Motor ausmachen und immerhin 2,5 Stunden segeln, bevor wir den Jockel wieder zur Unterstützung anmachen müssen. Bis auf kurze Phasen rein unter Segeln, motorsegeln wir den ganzen Tag. Mittags können wir unser erstes Etmal von knapp 110 Seemeilen ins Logbuch eintragen.

Am Abend haben wir dann das erste Mal Delfine am Bug und bewundern die schönen Tiere, die sich immer wieder drehen, um uns ebenfalls in Augenschein nehmen zu können. Wunderbare Momente sind das!

Kurz vor Sonnenuntergang kommt dann ein Anhalter an Bord: Eine ziemlich erschöpfte Brieftaube leistet Peer im Cockpit Gesellschaft. Trotz Seekrankheit wird sie natürlich sogleich von mir mit Wasser und einer Portion bestem gekeimten Müsli versorgt.

In der Nach besuchen uns wieder Delfine und begleiten uns ganze 20 Minuten. Wie Torpedos schießen sie ums und unter dem Boot hindurch und ziehen einen floureszierenden Schweif hinter sich her. Sogar der Blas leuchtet! So kitschig-schön wie in einem Walt Disney Film, einfach unbeschreiblich!

Um 01:30 Uhr können wir auch endlich den Motor ausmachen und segeln. Der Wind ist sehr böig. Am Morgen haben wir dann schon das 2. Reff im Groß und die Genua ist ebenfalls verkleinert. Trotzdem machen wir fast 7kn Fahrt. Es ist deutlich mehr Wind und Welle, als vorhergesagt und wir machen uns etwas Sorgen, ob das nun noch mehr werden wird. Kurzerhand fragen wir einen Tanker in der Nähe nach seinen aktuellen Wetterinformationen und bekamen sehr freundlich Rückmeldung, dass der Wind abnehmen soll.

Soweit beruhigt gewöhnten wir uns langsam an die beeindruckenden Wellen von teilweise 4m und hatten den ganzen Tag großen Spaß an unserem Schiff, dass bei diesen Bedingungen so toll zu segeln war.

Taubi war am Morgen immer noch da und machte keine Anstalten, die Weiterreise auf eigenen Flügeln anzutreten, was wohl auch ziemlich schwierig bis unmöglich gewesen wäre, denn der starke Wind blies ja aufs offene Meer und gegenan an Land hätte sie es wohl kaum geschafft. Allerdings hat so ein Tierchen einen ziemlich flotten Stoffwechsel und um die Nerven des Skippers zu schonen verfrachtete ich sie kurzerhand ins Schwalbennest. Da war sie auch sicher vor unserem Windgenerator. Dass sie sich erschrecken und dorthinein fliegen könnte, machte mir nämlich große Sorgen. Im Schwalbennest fühle sie sich recht wohl und wurde natürlich weiterhin gut bewirtet.

Am Abend ging der Wind dann deutlich zurück. Um durch die Wellen zu kommen, musste der Motor wieder ran und auch die Genua rollten wir wieder komplett aus. Um 21 Uhr zog sich der Himmel dann rasant zu und es bauten sich bedrohliche Wolkenformationen auf. Sah verdammt nach Gewitter aus – obwohl keins angesagt war! Wir bargen die Segel und dachten zuerst wir noch darüber nach auszuweichen, aber es ging dann alles so schnell, dass wir schon um 22 Uhr mitten drin waren. Rund um uns herum schlugen die Blitze ein und es donnerte furchteinflößend. Dabei war es fast windstill, pechschwarz und immer noch mussten wir gegen die gewaltige Dünung anfahren. Das allein hätte ja schon gereicht, aber mitten drin ging dann auch noch der Wasseralarm los! Ich flitze nach unten und fand Wasser in der Bilge – Salzwasser! Auf den ersten Blick war nicht auszumachen, woher es kam. Bevor mir bei der Schaukelei wieder schlecht wurde, ging ich also oben an die Pinne und Peer suchte nach der undichten Stelle. Schließlich wurde er bei den Gebern von Logge und Lot fündig – eine der ganz, ganz wenigen Dinge, die wir aus versicherungstechnischen Gründen nicht selbst gemacht haben, sondern Profis damit beauftragt hatten… na, vielen Dank auch!

Peer gelang es dann zum Glück, wieder alles dicht zu bekommen und die Bilge zu lenzen, während ich versuchte, die Wellen so anzusteuern, dass er nicht allzu arg hin und her geschmissen wurde. Darauf und auf unseren Kurs konzentriert, versuchte ich, gar nicht mehr so genau zu schauen, wo und wie nah die Blitze um uns herum einschlugen. Was konnten wir schon tun!? Also Augen zu und durch!

Es war eine aufregende und anstrengende Nacht! Das Gewitter hielt sich hartnäckig und erst ab 03 Uhr nachts wurde es endlich ruhiger. Übrigens waren wir anscheinend weit und breit die Einzigen (Idioten!?), die sich in dieser Nacht hier draußen rumtrieben – auf dem AIS war nichts und niemand zu sehen und auf Kanal 16 war auch Totenstille – bis auf einen lustigen Kameraden, wir vermuten ein Fischer, der abwechselnd laut ein feuchtfröhliches „Laaalalaaalalaaa“ trällerte und sich zwischendurch kringelig kicherte. SEHR beruhigend 🙁

Am Morgen kam der Wind zurück und wir motorsegelten bei bald wieder freundlichem Wetter und angenehmen 3 Windstärken unserem Ziel entgegen. Während wir uns abwechselnd ausruhten und frühstückten, kamen wieder unsere Freunde, die Delfine, vorbei und die Stimmung war schlagartig besser.

Gegen Mittag kam das spanische Festland in Sicht und als wir am späten Nachmittag nah genug dran waren, entließen wir unser Taubi in die Freiheit – womit sie vorerst gar nicht so einverstanden war. Noch zwei Mal kam sie zurück und wir mussten noch ein bisschen nachhelfen. Ich hoffe, sie hat inzwischen spanische Taubenfreunde gefunden und genießt die Sonne so wie wir!

Um 21 Uhr und nach 406 Seemeilen legten wir endlich im Stadthafen von A Coruna! Geschafft!!!

 

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