Vier Wochen am Affenfelsen

Vier Wochen am Affenfelsen

Gestern wollten wir endlich wieder in See stechen. Der Wecker klingelte um 07 Uhr, aber ein Blick aus dem Niedergang verhieß nichts Gutes: dicker Nebel waberte durch den Hafen. So dick, dass die Schiffe am Nachbarsteg kaum zu erkennen waren. Also erst mal Kaffeekochen und abwarten. Nucha war nach unserer Morgenrunde ganz nass und strubbelig, nur von der Luftfeuchtigkeit!? Natürlich hätten wir uns – dank AIS und Radargerät – auch so durch die vielen Tanker und Frachter durch die Bucht von Gibraltar schlängeln können, aber Spaß ist etwas anderes und zeitliche Not haben wir ja nun wirklich nicht. Unsere Abfahrt verzögerte sich also noch um ca. 2 Stunden, in denen wir uns noch ausführlich von unseren Stegnachbarn verabschieden konnten. Und dann war die Sicht auch gut genug, um langsam aus dem Hafen zu tuckern. Was war das für ein schönes Gefühl, wieder in See zu stechen!

La Linea ist ein wirklich gepflegter und günstiger Hafen mit guten Versorgungsmöglichkeiten und sehr ordentlichen sanitären Anlagen. Auch dass man innerhalb weniger Minuten zu Fuß nach Gibraltar laufen kann, hat durchaus seinen Reiz. Aber wenn die Kinder uns nicht in ihren Ferien dort besucht hätten, wären wir sicherlich nicht so lange geblieben. In weniger als einer Woche hat man eigentlich alles gesehen, was es dort und auf dem Affenfelsen so zu besichtigen gibt und La Linea selbst fanden wir nicht besonders schön. Eher etwas schmuddelig und ungepflegt. Gibraltar ist ein witziges Fleckchen Großbritannien – allein der Besuch im Supermarkt mit typisch britischen Produkten wie Cheddar, Shortbread und Baked Beans hat Spaß gemacht und brachte etwas Abwechslung in die Bordküche. Aber der Verkehr dort ist Wahnsinn! Wir haben gelesen, dass auf die 55.000 Einwohner ca. 53.000 PKWs kommen, plus zahlreiche Motorroller und Motorräder. Die machen teils ohrenbetörenden Lärm und reichlich „Mief“. Noch dazu wirkt es so, als ob halb Gibraltar eine Baustelle ist. Wenn dann noch 1-2 Kreuzfahrtschiffe anlegen, ist das Chaos perfekt. Spätestens dann bekommen Peer und ich Fluchtgedanken, hassen wir doch beide größere Menschenansammlungen.

Trotzdem bot gerade Gibraltar einiges, was wir mit den Kindern in ihren Ferien unternehmen konnten und da das Wetter anfangs eher herbstlich anmutete, waren wir darüber sehr froh. Peer ist mit ihnen im Schweiße seines Angesichts auf den Rock gewandert – unter Anfeuerungsrufen á la „Komm Papa, Du schaffst das!“. Belohnt wurden die Drei mit der Sichtung zahlreicher Affen, die oben schon die Touristen erwarteten. Wehe dem, der dort mit einer Plastiktüte auftauchte – diese oder der andere lose getragene Gegenstände werden von den frechen Viechern gleich konfisziert. Widerstand zwecklos! Der Blick auf die nahe afrikanische Küste war an diesem Tag leider von der typischen Wolke versperrt, die so gut wie immer um den Rock herum waberte. Das gehört sicher so, sonst würden sich die Briten dort nicht wirklich heimisch fühlen 😉 Marokko haben wir dann aber noch bei einem anderen Ausflug zum Europa Point sehen können.

Ein Highlight war sicherlich ein Ausflug nach Tarifa! Bei herrlichem Sonnenschein konnten die Zwillinge hier noch einmal den langen Sandstrand genießen – Baden und durch die Wellen hüpfen inklusive. Das Eis danach beim Bummel durch die nette Altstadt hat dann gleich doppelt gut geschmeckt. Nucha dufte im Bus leider nicht mitfahren, deswegen haben wir uns einen netten Mädelstag an Bord gemacht.

Apropos Nucha – müssen wir erwähnen, dass sie natürlich das Highlight der Ferien war??? Am ersten Tag waren ihr die Mädels noch etwas unheimlich, aber danach wurde gekuschelt, was das Zeug hält und egal wo Emma und Pia waren, Nucha war immer mitten drin. Nun müssen wir damit leben, dass uns nach der Rückkehr der Beiden in Hamburg WhatsApp-Nachrichten erreichen, die da lauten: „Wir vermissen Euch schon, besonders NUCHA“…

Damit uns nach der Abreise der Kinder nicht langweilig wird, hat uns unser haariges Crewmitglied dann noch ein paar blinde und äußerst unwillkommene Passagiere an Bord gebracht: Eines Abends entdeckte ich beim Kraulen einen kleinen Flohzirkus, der lustig durch ihr Fell hüpfte. Na super!!! Aber nach diversen Waschladungen, endlosen Putzaktionen und Besuchen beim Tierarzt und der Zoohandlung sind wir die Plagegeister nun auch wieder los. Ab sofort muss sich Nucha nach jedem Spaziergang eine Inspektion mit dem Flohkamm gefallen lassen. Zusätzlich gibt es einmal im Monat eine Tablette, denn gegen den Wirkstoff im Flohhalsband scheinen die Biester schon gewisse Resistenzen gebildet zu haben. Nun aber genug von dem Thema, es fängt sonst gleich wieder an zu jucken 🙂

Aktuell liegen wir nach unglaublichen 24 Seemeilen in Estepona an der Costa del Sol, die ihrem Namen alle Ehre macht. Es ist viel sonniger und wärmer hier und vor allem ist die Luft endlich nicht mehr so feucht! Herrlich! Die Wahl fiel auf diesen Hafen, weil es hier eine Möglichkeit gibt, unsere beiden deutschen Gasflaschen befüllen zu lassen. Das war bisher in Spanien und Portugal ein Ding der Unmöglichkeit und zum Glück auch noch nicht nötig. Seit unserer Abfahrt Ende Mai sind wir damit ausgekommen und pünktlich vorgestern Abend war dann auch die zweite Buddel leer. Nicht schlimm, denn wir haben noch eine Ersatzflasche Campinggas dabei und für Nachschub ist ab Morgen auch gesorgt.

Wenn der Gasmann schnell ist, werden wir bereits morgen weiterfahren – dann direkt in unseren Winterhafen Almerimar, denn die Häfen dazwischen reizen uns nicht wirklich. Dort werden wir wohl einige Segler, die wir unterwegs getroffen haben, wiedersehen und etwas Arbeit am Schiff wartet auch auf uns.

Wir hoffen, der Sturm im Norden Deutschlands hat keine zu allzu großen Schäden angerichtet und senden Euch ganz viel Sonne aus Spanien!

 

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