Voll-Gas

Voll-Gas

Das Thema „Gas“ hat uns schon eine lange Zeit beschäftigt – eigentlich schon vor der Abreise. Wir haben ein Bord einen wunderschönen Gaskasten, wo eine von diesen grauen 5 kg Flaschen reinpasst. Mit solch einer Füllung kommen wir in der Regel, auch mit täglichem Kochen, gut aus. Nun denkt sicherlich der eine oder andere: „Wieso Kochen??? Christine ist und isst doch vegan, da gibt es doch eh nur Gras und Steine!?“ Weit gefehlt! Anfangs war ich da auch eher skeptisch, was da so alles in die Töpfe und Pfannen wanderte. Es schmeckt mir aber und ich habe nicht das Gefühl, dass ich auf irgendetwas verzichten muss. Wenn mir der Sinn danach steht, dann haut die Seeräuberin mir auch ein Steak oder Würstchen in die Pfanne.

Was ich aber eigentlich sagen bzw. schreiben wollte ist, dass der Herd nebst Backofen viel genutzt wird und Gas bei uns täglich in Flammen aufgeht. Eine Füllung reichte in der heimischen Ostsee fast eine Saison. Unser Schiffchen sollte uns ja nun in ferne Länder und unbekannte Gewässer bringen und gegessen wird bekanntlich überall oder anders formuliert: Ohne Mampf kein Kampf! Deswegen haben wir unsere „Second Life“ mit zwei großen Gasflaschen bestückt. Das Feuer sollte (wie auch bei der Seeräuberin und mir) nie erlöschen und so muss man(n) immer schön aufpassen und Vorsorge treffen, damit die Flamme nicht plötzlich verpufft. Ein Manometer ist nicht überall ein probates Mittel oder gar zu montieren, aber zurück zum Thema…

In Deutschland haben wir uns also ausführlich mit dem Thema „Gas“ und den Auffüllmöglichkeiten beschäftigt. Nach einigen Recherchen haben wir uns ein „Euro“- Adapterset und ein weiteres Set zum Befüllen der Gasflaschen gekauft. Mit diesem Potpourri an goldglänzenden Verbindern fühlten wir uns gut gerüstet. Waren es aber nicht! Die ersten Etappen durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und anfangs auch noch in Nordspanien waren wir gastechnisch sehr entspannt, schien unser Vorrat doch noch groß genug.

Irgendwann hat jedoch die erste Buddel ihren letzten, brennbaren Atem ausgehaucht. Kein Problem, wir hatten ja noch die zweite Flasche dabei. Von nun an führte aber jeder Landgang unter anderem auch zu ortsansässigen Schiffausrüstern und „Gasmenschen“ – kann ja nicht schaden, wenn wir unsere leere Knolle wieder aufladen würden. Die Hände und Füße waren hauptsächlich die Artikulationsgrundlage für unsere Gespräche mit den Fachleuten. Das gesprochene, englische Wort ist bei den Locals in Nordspanien nicht so verbreitet. Losgelöst von den sprachlichen Barrieren, die nicht Grund unseres Misserfolgs waren, blieb die Buddel aber leer. Des Öfteren wandte sich die Unterhaltung weg vom Gas hin zum Fußball. Klar, meine Schuld! Wenn da ein Deutscher steht und irgendetwas faselt von „gekocht wie Flasche leer“ wo soll das sonst auch hinführen?!

Grundsätzlich ist es in Spanien und auch in Portugal seit einigen Jahren nicht mehr erlaubt, ausländische Flaschen zu befüllen. Dieses Verbot könnte mehrere Gründe haben – wahrscheinlich ist jedoch, dass die Feuerwehren es leid waren, pulverisierte Hinterhöfe zu löschen. Genau wissen wir es aber nicht. Alternativ hätten wir uns auch sehr gern eine Flasche von „Repsol“ besorgt. Die sind aus Kunststoff und rosten, wenn überhaupt, sehr langsam. Die Flaschen waren aber leider zu groß, um in unserem Gaskasten unterzukommen. Eine kostenintensive Behelfslösung stellte die Anschaffung einer „CampingGaz“-Flasche dar. Rund EUR 40,00 kostet da ein 2,5 kcg Fläschchen. Auch der Tausch schlägt mit ca. EUR 20,00 in die Bordkasse ein. Unsere „neue“ Buddel war zudem schon total verrostet und siffig. Zur Probe und eigentlich total überflüssig, waren wir doch mit allen Adaptern ausgestattet, wollte ich den „CampinGaz“- Schrotthaufen mal anschließen. Blöderweise passte nicht ein Adapter aus unserem Arsenal. Die Hersteller des „EURO- Adaptersets“ haben nicht damit gerechnet, dass es Leute gibt, die mit einem deutschen Gasanschluss ins Ausland fahren?! Ebenso haben sich die Portugiesen und Spanier nicht vorstellen können, dass man überhaupt ohne einen Anschluss für „CampingGaz“ unterwegs sein kann. However, ich habe mich zumindest doll geärgert!

Der Ärger verzog sich schnell, aber nur um schierer Verzweiflung zu weichen. Nirgendwo gab es einen passenden Adapter zu kaufen. Diverse, tränenreiche Telefonate mit Gasprofis aus dem Ruhrpott führten dann doch noch zur finalen Lösung. In Deutschland konnten wir das ersehnte Teil bestellen und – ich wollte es nicht wahrhaben – es passte! Die Schläuche füllten sich und ein orange-bläulicher Schein erhellte die Kochstelle. Noch nie habe ich einen, in Betrieb befindlichen, Gasherd mit so viel Andacht angeschaut.

Das „blaue Gold“ sollte jedoch nicht unser primärer Gasantrieb werden, sondern eher als Notlösung dienen. Die Befüllung der „großen Grauen“ blieb eine weitere Herausforderung, die zu bewältigen war. So etwas ähnliches wie ein Wunder erwartete uns dann in La Linea. Ein Flyer, der die Befüllung sämtlicher, ausländischer Gasflaschen versprach! Wir konnten unser Glück kaum fassen. Die Befüllungen könnten in Estepona oder Marbella vorgenommen werden, lasen wir da. Kurzentschlossen sind wir das kurze Stück (ca. 25 sm) nach Estepona getuckert. Aufgeregt wählte ich die spanische Nummer und führte ein kurzes Telefonat mit dem Inhaber der Firma. Er sei etwas unpässlich, müsse kurz ins Krankenhaus und würde das Gas deswegen momentan nur in Marbella in die Buddel drücken können. Auch nicht so schlimm, Estepona ist ein nettes Städtchen mit schöner Altstadt, so dass wir den Stopp dort nicht im Geringsten bereuten. Am nächsten Morgen richteten wir den Bug dann nach Marbella und nach 15 sm fanden wir uns in dem Ort der „Schönen und Reichen“ wieder. Die „Schönen“ sind wohl mittlerweile sehr alt geworden und die „Reichen“ gab es hier wohl nur zu Pesos-Zeiten?! Was wir aber nicht vermutet hatten: Auch Marbella verfügt über eine „kuschelige“ (ich kann ja nicht immer „nette“ schreiben) Altstadt und etwas abseits auch über tolle Strände. Wir haben nicht direkt in der Marina Marbella festgemacht, sondern 0,5 sm weiter im Hafen „La Bajadilla“. Es erwarteten uns total hilfsbereite Hafenangestellte und freundliche Bootsnachbarn. Der Hafen bietet saubere, zweckmäßige Duschen mit beachtlichem Arbeitsdruck. Wen der Lauf des Lebens mit etwas schütterem Haar gezeichnet hat, der sollte aufpassen, dass die Regulierung der Wassermenge nicht auf Maximum steht – wenn erstmal die 50 bar anstehen, dann ist es bestimmt auch mit dem Rest der Haarpracht vorbei…

Frisch geduscht und voller Vorfreude erwarteten wir also die Ankunft des Gasmannes. Der kam dann auch, wie versprochen, am Nachmittag. Auch hatte er gleich zwei baugleiche, volle Flaschen unseres Systems dabei. Der Preis belief sich auf stolze  EUR 60,00 für zwei Füllungen. Puh! Aber wer seine Buddel voll haben will, der bezahlt den geforderten Betrag, denn in Sachen „Refill“ hat der, aus den Niederlanden stammende, Kollege hier das Monopol. Ein kleines Problem gab es dann aber doch noch. Wir haben bei dem Erwerb unserer Gasflaschen darauf geachtet, dass ein TÜV-Stempel die Flasche ziert, deren Ablaufdatum in weiter Ferne liegt. In unserem Fall 2024 und 2026. Die grauen Buddeln, die der Gasmann aus dem Kofferraum seines SUVs zog, waren da etwas anderer Natur. Eine Flasche hatte zwar einen Haltbarkeitsvermerk, die andere aber war gräulich übergepinselt, wies so überhaupt kein Zeichen von Stempel oder geprüfter Sicherheit auf und war noch dazu schon ziemlich rostig (deswegen wohl auch die Farbe). Nach kurzer Diskussion wollten die Seeräuberin und ich doch unsere Flaschen gern weiterverwenden, nur gefüllt halt. Mit diesem Wunsch weckten wir doch einiges an Unverständnis! Die Befüllung und Lieferung unserer eigenen Flaschen sollte dann weitere EUR 20,00 kosten. Wir schluckten kurz (unseren Ärger herunter), aber akzeptierten – was hatten wir schon für eine Wahl!? Am späteren Abend knatterte ein Moped auf das Hafengelände, unsere nun gefüllten Buddeln im Gepäck. Nachdem ich mir dann noch anhören musste, dass wir ziemlich „ridiculous“ seien, ihm so ein Kundenverhalten noch nie untergekommen sei und dass es wohl etwas mit „German Pünktlichkeit“ zu tun hätte, schloss ich die gute, alte Flasche an und alles war wieder gut.

Es mag ja sein, dass wir etwas zu pingelig sind, aber Gas und Feuer sind zwei Dinge, die unter Umständen gefährlich werden könnten. Eine geprüfte Flasche mit TÜV halten wir grundsätzlich für eine gute Idee – für unsere Sicherheit, aber auch für diejenigen, die unsere Flaschen zukünftig befüllen werden. Weltbereistere Segler haben bestimmt noch haarsträubendere Geschichten zum Thema Gasbefüllung zu berichten. Für die weiter entfernten Ziele würde sicherlich das Adapterset zu empfehlen sein, welches wir bereits an Bord haben. Das Set beinhaltet verschiedene Aufsätze, um die Flasche befüllen zu lassen. Betonung liegt hier eindeutig auf „befüllen lassen“! Im Internet gibt es auch Tipps für das eigenständige Füllen der Flaschen – so groß wird unser Verlangen nach einem funktionierenden Gasherd jedoch wohl nie werden. Das Hantieren mit Propan, Butan & Co überlassen wir doch lieber den Profis.

Wer in seinem Schiff bereits eine Anlage auf der Basis „CampingGaz“ betreibt, der wird so schnell keine Probleme mit Nachschub bekommen. Das „CampingGaz“- System ist, zumindest in Europa, weit verbreitet und Austauschflaschen so gut wie überaall zu bekommen. Die Kosten dafürsind  jedoch relativ hoch. Wer noch so gar keine Idee zum Thema Kochen an Bord hat, kann auch weitere Alternativen prüfen. Petroleum, Diesel oder Spirituskocher gibt es ebenfalls auf dem Markt. Nutzbares Petroleum wird hinsichtlich des Nachschubs früher oder später jedoch auch ein Problem werden. Ein Segler, den wir in Culatra getroffen haben, versorgt sich immer mit 5 Liter Kanistern aus Deutschland, sofern sich Besuch auf dem Landweg ankündigt, weil es in Portugal kein brauchbares gibt.

So oder so – es bleibt ein brennendes Thema! Jetzt aber erst mal: Buddel voll – Schnauze voll!

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6 Replies to “Voll-Gas”

  1. Halloihr beiden, wir konnten unsere Flasche erst auf Madeira/ in Funchal nachfüllen lassen. Dabei haben sie es sehr gut gemeint, mit der Menge. Habe gerade vor einigen Tagen Druck abgelassen bis das Gewicht einigermaßen stimmte. Übrigens fallen die Preise weiter im Süden VG DuF

  2. Hallo, Christine und Peer,
    wir sind von Südfrankreich über Kanaren und Kapverden nach Brasilien gesegelt. In vielen Marinas war es möglich, unsere Gasflaschen zum Auffüllen abzugeben – ist zwar schon länger her (2004-2008), aber eigentlich dürfte es ja keine Verschlechterung der Versorgung geben.
    Warum ich aber schreibe: ich habe gerade euren Bericht im TO-Magazin gelesen. Und es hat mich sehr an unseren Start erinnert. Wir haben von Südfrankreich bis Gibraltar gebraucht bis wir uns entspannt fühlten und die vielen “kleinen” technischen Probleme im Griff hatten. Und uns wurde klar, dass es kein Urlaub war, sondern eine andere Art und Weise zu leben. Die Abkopplung von zu Hause war damals leichter, da wir nur über Kurzwelle (sailmail) gelegentlich E-Mail-Kontakt nach Hause hatten.
    Wir sind mit unseren beiden Kindern gesegelt und sie schwärmen heute noch von der Reise. Sie waren beim Start 7 und 8 Jahre alt. Unsere Webseite existiert immer noch: http://www.richert.jimdo.com
    Neben der überwältigenden Gastfreundlichkeit der Menschen ist uns von unserer Reise vor allem in Erinnerung geblieben, dass wir zwar Pläne machen konnten, aber sich vieles vom Geplanten schnell verflüchtigt hat, und wir gelernt haben, flexibel zu sein und die Dinge so zu nehmen (und zu genießen) wie sie kommen.
    Wir wünschen euch viel Glück und sind gespannt auf eure Berichte.

    1. Lieber Wilfried,
      danke für Dein nettes Feedback! Mit Euren Erfahrungen sprichst Du uns doch sehr aus der Seele! Mit dem großen Planen halten wir uns jetzt auch mehr zurück-bisher kam ja doch meist alles ganz anders und wir sind auch gar nicht traurig darum 🙂 Zur Zeit wissen wir, dass wir nun 2-3 Monate nach Almerimar ins Winterlager gehen und dann möglichst früh im Februar Richtung Balearen möchten. Alles andere wird sich ergeben und wir lassen uns überraschen, wohin uns der Wind führen wird. Auf Eurem Blog war ich schon kurz, werde aber sicher noch den einen oder anderen Abend dort schmökern!
      Ganz liebe Grüße, auch von Peer (der Dir gerade auf Deine E-Mail antwortet)
      Christine

    1. Moin Berti!
      Danke für Deine lieben Grüße. Es ist hier sicherlich um einiges wärmer- wenn man aber den halben Tag mit dem Oberkörper in der Bilge hängt und neue Kabel zieht, hat man nicht viel davon… Wir wollen uns aber nicht beklagen!!!
      Bis bald und sonnige Grüße- Peer

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