Wald

Wald

Moin!

Wie auf „Facebook“ bereits angekündigt, geht mir derzeit vieles durch den Kopf, was nicht unmittelbar mit dem Segelsport in Verbindung zu bringen ist. Da ich aber selbst betroffen bin und nichts verdrängen möchte, habe ich meine Gedanken dazu aufgeschrieben. Meiner Ansicht nach, ist die Auseinandersetzung mit dem Thema (zumindest für mich) eine Möglichkeit, die persönliche Situation nicht aus den Augen zu verlieren… Gerade jetzt und hier- ich bin allein, eine Weihnachtsfeier löst die nächste in den zahlreichen Lokalen ab, die Leute sind in Urlaubs- und Feierstimmung. Bitte nicht verkehrt verstehen oder meine Zeilen als Mahnung oder Verteufelung deuten. Es ist gut (und manchmal auch erheiternd) zu sehen, wenn die Menschen hier Spaß haben und feiern. Nur manchmal, wenn ich mit Nucha abends gegen 22:30 noch eine letzte Runde drehe und an den beleuchteten Kneipen vorbeigehe, komme ich mir etwas „aussätzig“ vor… Klar- könnte ich auch so mit den Leuten im Lokal sitzen und statt Wein halt Wasser trinken, aber diesem – sehr wohl bekannten – Räumen möchte ich mich lieber noch etwas fernhalten. Irgendwann wird es sicherlich leichter…

Noch eine kurze Anmerkung zum Text- ich schreibe, wie es mir in den Kopf kommt. Sehr wahrscheinlich gibt es in vielen Abschnitten grammatikalische Fehler- dies bitte ich zu entschuldigen. Wenn ich mir nach dem Schreiben den Text hinsichtlich Rechtsschreibfehlern oder Zeichensetzung durchlese- würde ich wahrscheinlich auch inhaltlich einiges ändern und das möchte ich bewusst nicht. Mir ist es wichtig, dass ich meine Gedanken aufschreibe und keinen fehlerfreien Roman verfasse…

Wald

Seitdem ich denken kann, war dort wo ich gewohnt habe auch immer ein Wald in der Nähe. Als kleines Kind durfte ich nie in diesen Wald und anfangs war ich auch nicht sonderlich daran interessiert. Meine Eltern gingen damals oft mit Nachbarn oder Bekannten in den Wald. Gelangweilt schaute ich Ihnen hinterher, wusste ich doch genau, was gleich zu erwarten war. Lautes Gelächter drang bis zu meinem Zimmer und irgendwann schlief ich darüber ein… Der Wald musste ja wirklich witzig sein, wenn die Erwachsenen dort immer ausgelassen waren und offensichtlich viel Spaß hatten.

Eines Tages jedoch hörte ich neben dem fröhlichen Rufen aber auch lautes Gerede- ja fast ein gegenseitiges Beschimpfen. Damit konnte ich nun nichts anfangen und dachte mir, dass ich mich bestimmt verhört hätte. Meine Eltern gingen auch manchmal allein in das nicht weitentfernte Waldstück. Wenn sie allein dort waren, konnte ich nun aber doch deutlich „schimpfen“ vernehmen. Auch hatte ich das Gefühl, dass die Grenze des Waldes näher an unser Grundstück zu rücken schien. Zu meiner frühsten Kindheit musste noch ein längeres Stück Weg zum Wald gegangen werden und diesen Marsch absolvierten meine Eltern meist nur am Wochenende. Mit zunehmenden Lebensjahren und in der „Jugend“ befindlich, reichte der Waldrand bereits bis zu unserem Garten. Vater ging nun beinahe täglich die wenigen Schritte und blieb auch über längere Zeit irgendwo allein im Dickicht.

Das Heranwachsen bedeutet wohl auch, viele Dinge auszuprobieren und so gingen meine damaligen Freunde und ich auch in einen Wald- natürlich nicht der am elterlichem Haus. Wir hatten damals viel Spaß und vergnügten uns am Wochenende meist in der Nähe einer Lichtung. Diejenigen, die sich, im Laufe der Abende, ins Unterholz verloren hatten, denen ging es nächsten Tags nicht sonderlich gut. So verliefen die Jahre- wenn man etwas zu feiern hatte, dann ging man in den Wald. Die meiste Zeit hielt man sich jedoch im Bereich einer freien, nicht zu dicht bewachsenden Fläche auf, um auch mit den anderen zu sprechen und gemeinsam Spaß zu haben. Nicht allzu oft habe ich mich zu der Zeit in unwegsamen Pfaden verloren. Die wenigen Male hatte ich aber ein innerliches Gefühl der Ruhe. Die Stimmen und die Musik drangen nicht in voller Lautstärke durch die verdichteten Äste und Zweige.

Aus irgendwelchen Gründen, gab es an den Wochenenden immer etwas zu feiern und die damit verbundenen Aufenthalte im Wald wurden zwar länger – immer gab es aber einen Weg hinaus. Die Wälder hatten einen festen Platz in unserer Gesellschaft- wer in den Wald ging wurde nicht schräg angeschaut oder auf die vielen Spaziergänge angesprochen. Es war (und ist wohl noch) normal und gehörte zum Leben dazu.

Später, im Berufsleben, gehörten gemeinsame Waldtouren einfach dazu. Klar, dass diese nicht an den freien Tagen der Woche stattfanden, sondern in der Woche. Die Wochenenden ging ich aber zusätzlich auf die Suche nach Traumwäldern. Damalige Bekannte gingen, nach meiner Ansicht, viel zu früh nach Haus. Dann begab ich mich auf einsame Entdeckungsreise. Meine Wege führten mich tiefer und länger in das Dickicht. Es war herrlich ruhig- die Flechten an den Stämmen der Bäume und das Moos auf den Boden schluckten nahezu alle Geräusche der Außenwelt. Es war ein Gefühl, als wenn man in einer Wolke aus Watte gebettet wurde. Hier war es gut, hier war ich für mich, genau hier wollte ich sein!

Die Arbeit war oft kräftezehrend und demotivierend – zumal ich zu wenig Schlaf bekommen hatte, war ich doch mittlerweile auch unter der Woche in den Wäldern. Vielen Kollegen ging es ähnlich. Das Interesse an gemeinschaftlichen Aktivitäten schrumpfte mehr und mehr. Mich zog es allein an meine Stelle- meinen Platz der Ruhe, da konnten mir die Sorgen des Tages nichts anhaben und teilweise konnte ich auch über Dinge nachdenken, die sonst bestimmt viel zu kurz gekommen wären. Hätte mich nicht immer einer gestört oder mich überreden wollen, aus dem Wald zu kommen, dann hätte ich mich bestimmt auch an meine Gedanken erinnern können. Einige, die ich in den verwinkelten und dornigen Ecken der Wälder getroffen hatte erzählten mir, dass sie schon eine Ewigkeit hier verbrachten. Ein Leben ohne Zwänge, ohne nervende Gedanken und ohne andere Menschen, die sie überreden wollten aufzustehen. Das war aber kein Leben für mich- die leben hier und arbeiten nicht wie ich! Ich brauchte meine Ausgänge zum Entspannen und war der Meinung, dass ich jederzeit und ohne Probleme längere Zeit auf die Wälder verzichten konnte. Das war aber leider nicht die Wahrheit und insgeheim war ich mir dessen auch bewusst. Als die Kinder mich eines Tages fragten, warum ich immer in den Wald gehe und ob ich das nicht einmal verschieben oder aussetzten könnte sie wollen doch noch mit mir spielen- da traf mich ein innerlicher Pfeil und schmerzte sehr. Was würde wohl am besten gegen Schmerz helfen? Richtig ein langer und ausgedehnter Spaziergang war so wunderbar einfach und leicht. Gedanken und Gewissen verschmolzen mit der Umgebung und ich musste die Schmerzen nicht allein durchstehen. Der Rückweg wurde immer mühsamer und ohne Umwege gelang ich nicht nach Hause. Der Wald ist einsam- der Wald macht einsam!

Eines Tages, nach einem Irrlauf, gelangte ich an den Waldrand. Die Sonne strahlte und wärmte mich. Wie lange hatte ich keine Sonne mehr gesehen? Die dicken Äste und Blätter haben das Licht absorbiert und nur leichtes Dämmern gelangte bis auf meinen Lagerplatz. Da draußen war es aber laut und das helle Licht blendete mich. Reflexartig wollte ich in die Kühle und Ruhe zurück. Auf der Wiese vor dem Wald konnte ich Schatten sehen, Schatten, die sich auf mich zu bewegten. Zwei Kleine und ein größerer Schatten. Näher, und im ersten Augenblick, unangenehm nah. Aufgerichtet habe ich mich allein, die nun doch vertrauten Schatten, stützten und hielten mich jedoch aufrecht.

Längere Zeit verbrachte ich in einem Haus ohne Wald. Die Geräusche und Menschen waren für mich sehr erdrückend und irritierend. Aus Geräuschen wurden Worte und aus den vielen Menschen geduldige Zuhörer. Meine Eltern sind nicht rechtzeitig herausgekommen und zuhören können sie mir leider nicht mehr- ich hätte viel zu sagen gehabt…

Heute gehe ich nicht mehr in den Wald. Zu groß wäre die Gefahr, dass ich mich verirre. Manchmal kommt es noch zu Feiern oder sonstigen Anlässen, die Leute in den Wald gehen lassen. Bei diesen Anlässen stehe ich am Waldrand und kann mich mit den Menschen immer noch hervorragend unterhalten. Es bleiben so einige am Rande der Bäume stehen und gehen nicht hinein. Das macht Mut- ich bin nicht allein! Die Verlockung und die Erinnerung an die absolute Ruhe ruht in einem Teil meines Kopfes- leider nicht der Teil, der abgeschlossen werden kann. Die freie Sicht über die weite Landschaft lässt mich draußen bleiben- ich hoffe für immer!

 

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One Reply to “Wald”

  1. Moin Peer,
    ich habe Zeit meines Lebens einen Bogen um die Wälder gemacht.
    Auch wenn ich gerade in meiner Jugend dafür häufiger belächelt wurde kann ich mit fast 50 Jahren sagen, dass man auch ohne Wald ein zufrieden und fröhliches Leben führen kann.
    Hauptsache immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und Menschen, die einen verstehen, akzeptieren und so lieben, wie man ist.
    Ich glaube, dass du damit auf dem richtigen Weg bist.
    Nun wünschen wir euch fröhliche Weihnachten und dass eure Wünsche für 2018 in Erfüllung gehen.
    Gruß von der “Wolke sieben”

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